Geschichtsunterricht in Cochin

Am Arabischen Meer, in Kerala im Südwesten Indiens, 2600 km von Neu Delhi entfernt, liegt Cochin.

Das ist eine Stadt mit sehr spannenden historischen Erinnerungen. Auf unserem Streifzug durch die Stadt konnten wir viele davon erfahren.

1341 gab es eine große Flutkatastrophe. So verheerend die Folgen davon waren, so fruchtbar waren sie aber auch: Denn durch diese Flut entstand das Hafenbecken, das den Gewürzhandel mit China und dem Nahen Osten ermöglichte und aufblühen ließ.

In Cochin findet sich eine im 13. oder 14. Jahrhundert aus China eingeführte berühmte Fischfangvorrichtung. Man nennt sie „küstenbetriebene stationäre Aufzugsnetze“ (englisch: „Shore-operated Stationary Lift Nets“), und sie bestehen aus großen, mechanischen Konstruktionen mit horizontalen Netzen von 20 Metern Durchmesser oder mehr, die von Holzstangen gehalten werden. Diese Anlagen, die von bis zu sechs Fischern betrieben werden, nutzen Gegengewichte aus schweren Steinen, um das Netz ins Meer zu senken und wieder zu heben. Der Fang, meist wenige Fische und Krebstiere, können innerhalb von wenigen Minuten an Passanten verkauft werden. Die Netze haben eine begrenzte Einsatztiefe und werden je nach Gezeitenstand gewechselt.

 

Kostendruck, zu sandiger Untergrund, schlechter Zustand der Netze und hoher Einfluss aus China auf die Restaurierung der Netze sorgen seit Jahren für Probleme bei den Fischern. Die Zukunft hier ist ungewiss.

 

 

 

 

Die katholische Kathedrale in Cochin ist eine von 34 Basiliken in Indien. Ursprünglich 1505 von den katholischen Portugiesen erbaut und 1558 von Papst Paul IV. zur Kathedrale erhoben, drohte ihr im 17. Jahrhundert das Schicksal vieler katholischer Kirchen, die von den protestantischen niederländischen Eroberern zerstört wurden, blieb aber verschont, bis die anglikanischen Briten 1795 sie dennoch abrissen. Der katholische portugiesische Bischog João Gomes Ferreira gab 1887 den Neubau in Auftrag. Die neue Kirche wurde 1905 geweiht und 1984 von Papst Johannes Paul II. zur Basilika erhoben.

 

Die folgende Tafel aus der heute anglikanischen St. Francis-Church zeigt die wechselhafte Geschichte der Konfessionen in Cochin.

 

 

Bild: Pixabay

 

Zu den einflussreichsten Portugiesen gehörte Vasco da Gama (* 1469 in Sines, Portugal; † 1524 in Cochin). Ihm gelang es zum ersten Mal, dass ein europäisches Schiff Indien auf dem Seeweg um Afrika erreichte, wo er 1498 in Calicut nördlich von Cochin landete. Bei der Rückkehr nach Portugal hatte er volle Schiffsladungen mit Gewürzen dabei.

Als er 1502 erneut nach Indien aufbrach, hatte er eine Flotte von 21 schwer bewaffneten Schiffen dabei – die Vorherrschaft um den Indischen Ozean sollte für die Portugiesen gewonnen werden. Tatsächlich musste er gegen 100 indische und arabische Schiffe kämpfen, die fast vollständig vernichtet wurden.

Danach nutzte er die Rivalitäten unter den indischen Fürsten und arbeitete mit rücksichtsloser Gewalt, um das Handelsmonopol für Gewürze zu bekommen – das portugiesische Kolonialreich entstand.

1503 kehrte er nach Portugal zurück. 1524 reiste er erneut nach Indien und baute das Militär weiter auf. Er starb am 24. Dezember 1524 und hat gleich drei Gräber: Er wurde zwar zuerst in Cochin beigesetzt, später aber dann in Vidigueria und schließlich in Belém, beides Städte in Portugal.

Noch ein paar Eindrücke aus Cochin. Das dritte Bild zeigt eine Blüte eines Kanonenkugelbaumes.

 

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