Deinen Tod, o Herr, verkünden wir

Predigt an Karfreitag 2024

Liebe Schwestern und Brüder,

wie stehen wir zu Judas?

Ist der Apostel Judas ein Verräter?

Schon in der Frage liegt ein Teil der Antwort. Denn in dem Moment, wo ich Judas als Apostel bezeichne, muss ich mich dem Thema sehr genau widmen.

Ein Apostel ist im christlichen Verständnis jemand, der von Jesus Christus direkt mit der Verkündigung des Glaubens beauftragt wurde. So wie Petrus, Andreas Thomas und so weiter auch.

Nun wissen wir aber, dass Judas Jesus an die Römer ausgeliefert hat. Deswegen ist er in all den Jahrhunderten der Kirchengeschichte quasi abgetrennt worden von der Apostelschar: Judas, der Verräter eben.

Diese Sicht ist mir aber zu kurz. Viel zu kurz! Denn schließlich sollte sich das Wort erfüllen, das Wort Gottes, und Jesu Wort zugleich: Nämlich dass er ausgeliefert würde und am Kreuz sterben sollte.

Ohne den Kreuzestod Jesu hätte es aber keine Auferstehung gegeben, und die Botschaft vom Reich Gottes wäre wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen.

Also war es doch wichtig und notwendig, dass Judas so handelte. Und wenn wir dazurechnen, dass er als Apostel ja im Auftrag Jesu gehandelt hat, dann müssen wir erst recht unsere Sicht auf Judas verändern.

Es war nämlich heilsnotwendig, dass Judas so handelte. Er selber konnte letztlich nicht damit umgehen und nahm sich das Leben.

Heilsnotwendig heißt: Damit die Welt das Heil durch Jesus Christus erhalten konnte, war es notwendig, dass bestimmte Dinge passierten. Auch der Kreuz-Weg hinauf nach Golgotha, der uns vermittelt, wie sehr Christus Anteil an unserem eigenen Leiden hat.

Heilsnotwendig heißt: Die Tat des Judas führte dazu, dass wir nun erlöst sind.

Das ist und das bleibt schwer zu verstehen. Aber die ganze Kreuzigung, die ganze Passion Jesu ist für uns schwer zu verstehen – nämlich dann, wenn wir das ganze nur aus menschlicher Sicht anschauen.

Rein menschlich ist Judas ein Verräter. Im Heilsplan Gottes ist er Apostel.

Rein menschlich ist der Tod Jesu am Kreuz brutal, unmenschlich, barbarisch, erbarmungslos. Im Heilsplan Gottes ist er notwendig für die Erlösung von allen unseren Sünden.

Liebe Schwestern und Brüder,

der Karfreitag muss von beiden Seiten angeschaut werden, natürlich von der menschlichen Seite  – wir sind alle Menschen – aber auch von der göttlichen Seite her.

Und daher habe ich heute drei Punkte mitgebracht, die mir besonders wichtig erscheinen.

  1. Am Karfreitag erinnern wir uns an Judas, der Jesus nachgefolgt ist, der menschlich gesehen versagt hat, aus göttlicher Sicht aber eben nicht. Für uns kann das heißen: Wir alle sind gerufen, Jesus nachzufolgen. Auch wenn wir das Gefühl haben, menschlich zu versagen, kann aus Gottes Sicht immer noch etwas Gutes dabei sein, das wir nicht unbedingt sehen können.
  2. Es gibt aus menschlicher Sicht keine Entschuldigung für das unendliche Leiden so vieler Menschen auf dieser Welt. Ich wage zu sagen: Für Gott auch nicht.

Aus göttlicher Sicht könnte aber etwas hinzukommen: Nämlich die Sichtweise, dass wir uns wegen des weltweiten Leidens ändern, dass wir unsere Talente so nutzen, dass es letztlich weniger Leid auf der Welt gibt. Angefangen bei der Frage, wie wir unsere Kinder erziehen, bis hin zur Erkenntnis, wieviel Leid wir selber verursachen.

  1. Nicht nur die Apostel waren von Christus gerufen, den Glauben an das Reich Gottes, an Tod und Auferstehung zu teilen. WIR ALLE sind dazu gerufen. Und heute ist der Moment, genau damit zu beginnen. Machen wir uns klar, dass Christus jeden und jede von uns braucht, damit alle Menschen vom Reich Gottes erfahren. Ohne die Erfahrung von Golgotha, ohne den Glauben, dass Christus für uns gestorben ist, wird das aber nicht gelingen.

Haben wir den Mut, zu unserem Glauben zu stehen. Egal in welcher Sprache, egal in welchem Land. Wir alle sind gerufen, den Tod Jesu zu verkünden.

In der Messe sagen wir: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir. Genau das ist heute der Fall.

Der Satz geht bekanntlich noch weiter. Aber die Fortsetzung – deine Auferstehung preisen wir – ist für heute ein bisschen im Hintergrund. Für ein paar Stunden müssen und sollen wir aushalten, dass Christus gestorben ist. Für dich. Für mich. Für uns alle.

Amen.

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