Predigt am 3. Fastensonntag 2024 3.3.2024 zu Ex 20,2 und Joh 2,17
Liebe Schwestern und Brüder,
heute hören wir in den Lesungen zwei ganz besondere Worte, die einladen zum Echo. Ein Echo in uns, ein Echo in unseren Gedanken und Gefühlen, ein Echo in unseren Handlungen.
Das erste Wort haben wir vom Buch Exodus gehört:
Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.
Aus dem Sklavenhaus hinausgeführt. Nicht einfach aus Ägypten heraus, sondern aus einer Situation unendlich großer Not und Unterdrückung und Verzweiflung. Das Volk Israel war nicht nur fern von der Heimat gewesen, sondern auch fern von der Erfahrung, dass Gott an ihrer Seite war. Die Israeliten haben einfach nicht mehr gespürt, dass es Gott gibt. Und in dieser Verzweiflung, in dieser Situation der Unterdrückung von eigener Meinung und eigenem Glauben und persönlicher Freiheit hat das Volk erfahren, dass es Gott doch gibt. Dass er treu ist. Dass er unverbrüchlich zu seinem Wort steht und das Volk rettet.
Vielleicht ist diese Erfahrung im Lauf der Zeit dann ein wenig in Vergessenheit geraten. Denn Gott betont ja ganz besonders, was damals geschehen war. Und er tut das im Rahmen der 10 Gebote, die das Leben des Volkes regeln und es beschützen sollen.
Und das Volk hört ihm zu und lässt sich erinnern.
Es erinnert sich daran, dass Gott ihr Leid gesehen hat und dass er es beendet hat.
Es erinnert sich daran, dass gerade in einer Zeit schwerster Fronarbeit Gott an ihrer Seite war.
Es erinnert sich auch daran, dass es Gott nicht egal ist, wie es seinem Volk geht.
Das ist die erste Erfahrung, die wir uns merken sollten. Auch in den schwersten Zeiten unseres Lebens, gerade dann wenn wir meinen, dass wir absolut allen gelassen sind, gerade dann ist Gott dabei und sendet kleine und große Zeichen der Solidarität und der Rettung.
Das zweite Wort aus den heutigen Lesungen, das ich euch an Herz legen möchte, finden wir im Evangelium. „Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.“ Jesus stellt den Tempel auf den Kopf. Er räumt auf, sehr heftig und sicher für die Menschen damals unerwartet. Er ist wütend, er ist sauer, er kann sich nicht beherrschen und zeigt sehr drastisch, auf was es im Leben ankommt: Nämlich gerade im Tempel Gott in den Mittelpunkt zu stellen. Und damit das Gebet und die Andacht ermöglichen. Sich nicht ablenken lassen von dem, was weltlich so wichtig scheint – Geldgeschäfte zu machen zum Beispiel.
Während wir in der ersten Lesung mehr im Nachdenken waren, in der Erinnerung an Gottes gute Taten und ihre Bedeutung für die dunklen Zeiten unseres eigenen Lebens, geht es hier um einen ganz anderen Ansatz. Es geht darum, deutlich einzutreten für das, was uns wichtig ist in und mit unserem eigenen Glauben.
Und wenn es sein muss, auch lautstark und mit heftigen Aktionen.
Das sind wir nicht so gewöhnt. Wir gehen gerne zurückhaltend vor, und Kritik wird gerne unsere Sprache diplomatisch aufgearbeitet. Es gibt natürlich auch viele Menschen, die laut und deutlich ihren Glauben verkünden, vielleicht sogar ziemlich aufdringlich.
Aber wir sind doch meistens eher zurückhaltend. Heute aber bekommen wir vor Augen geführt, dass es auch Zeiten gibt, in denen wir uns klar und deutlich zu Wort melden müssen.
Mir fallen da eine ganze Reihe von wichtigen Themen ein, bei denen wir uns lautstark zu Wort melden müssen.
Ich denke an den Krieg in der Ukraine.
Ich denke an die Entscheidung von immer noch mehr Ländern, dass der Respekt vor dem Leben mit Füßen getreten wird – zum Beispiel in der völligen Freigabe von Abtreibung und der wachsenden Zustimmung, am Ende des Lebens den assistierten Suizid zu fördern.
Ich denke an die zunehmende Veränderung in den Sprachen der europäischen Regierungs- und Verteidigungsverantwortlichen, die immer mehr von Kriegsvorbereitung sprechen. Die die Investition in militärische Haushalten massiv befürworten, aber die Investition in diplomatische Friedensverhandlungen und präventive Friedenssicherung vernachlässigen.
Ich denke an die immer größer werdende Verarmung der Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Energiekosten und ihr Essen bezahlen sollen.
Ich glaube, das ihr alle diese Liste mit persönlichen Themen und Schwerpunkten ergänzen könntet.
Machen wir uns bewusst, dass wir beides brauchen: Die Erinnerung an die Heilstaten Gottes für unser eigenes Leben und unsere eigene Zukunft einerseits und die Notwendigkeit, sich zu Wort zu melden, wenn unsere Welt immer gefährlicher und auch menschenverachtender wird.
Wir können das. Beides.
Amen.