Zwei Socken

Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis, 14.01.2024 zu 1 Sam 3,3b-10.19

Zwei Socken, die eine grau, die andere schwarz – das war diese Woche Thema
in den Medien. Rechts grau, links schwarz. Sie wurden entsprechend getragen
vom Übeltäter: Wirtschaftsminister Robert Habeck, der beim Besuch einer
Moschee im Oman damit erwischt wurde, weil er dort die Schuhe ausziehen
musste.
Es gibt ein Video, es gibt Fotos, es gibt Artikel und Kommentare zu diesem
Vorfall. Kurz gesagt: Einer absoluten Kleinigkeit wird große Aufmerksamkeit
geschenkt.
Kleinigkeiten, kleine Dinge, kleine Signale wahrzunehmen ist durchaus eine
Kunst. Bei einem Politiker, der zudem noch Vizekanzler der Bundesrepublik
Deutschland ist, wird zwar gezielt danach gesucht.
Aber ansonsten sind wir oft nicht so genau; wir lesen Schlagzeilen ohne den
Artikel wirklich zu studieren, wir urteilen nach Äußerlichkeiten, wir lassen uns
ganz gerne blenden von großen Worten.
Dabei ist gerade im christlichen Glauben die Fähigkeit, leise Signale
wahrzunehmen, von immenser Bedeutung.
Heute zu Beispiel hörten wir eine berühmte und sehr bekannte Stelle aus dem
ersten Buch Samuel (1 Sam 3,3b-10.19). Samuel, der große Prophet, wird in
seiner Jugend von Gott gerufen. Da er das nicht einordnen und verstehen
konnte, vertraut er sich Eli an. Eli war ein Priester, dem Samuel zur Erziehung
anvertraut war.
Aber Eli erkennt nicht die leisen, zarten Signale, die da von Samuel kommen.
Erst beim dritten Mal kommt er auf die Spur und weist Samuel an, auf den Ruf
Gottes mit den Worte zu antworten: „Rede, Herr, denn dein Diener hört.“
In dieser Bibelstelle geht es um das genaue Hinhören. Hinhören beim anderen,
der mir etwas erzählt. Hinhören auf Gottes Wort. Hinhören schließlich auf die
Frage: Wozu bin ich berufen? Denn diese Bibelstelle wird gerne von Menschen
betrachtet, die sich mit ihrer Berufung auseinander setzen.
BerRUFung – das steckt das Wort RUF drin. GeRUFen sein, BeRUFen sein.
Wozu bin ich berufen? Wozu bist du berufen?
BERUFlich: Welche Profession, welche Ausbildung, welches Studium passt zu
mir?
Persönlich: Welcher Lebensstand ist der richtige? Möchte ich eine Familie
haben?
Geistlich: Welche Talente hat Gott mir gegeben, um sein Wort, sein Evangelium,
seine frohe Botschaft zu verkünden? Denn das ist nicht nur Aufgabe von Diakon
und Priester. Jeder und jede von uns ist gerufen, so zu leben, dass andere
neugierig werden auf den christlichen Glauben. Das gelingt mal besser und mal
schlechter. Ganz schlecht aber wäre es, es gar nicht erst zu probieren.
Als Eltern geben wir den Glauben an unsere Kinder weiter.
Im Beruf handeln wir aufgrund der 10 Gebote und der christlichen Ethik.
Persönlich pflegen wir einen Tagesablauf, der immer wieder unterbrochen wird
durch ein kurzes – oder auch längeres – Gebet.
In der christlichen Spiritualität reden wir von einer dreifachen Berufung: Der
Berufung zum Mensch sein, der Berufung zum Christ sein und der Berufung zur
besonderen Nachfolge Christi. Mit der besonderen Nachfolge ist viele
Jahrhunderte gemeint gewesen: Priester, Diakon, Ordensleben. Das stimmt
auch weiterhin. Allerdings möchte ich dazu ermuntern, hier genau
hinzuschauen und sich immer wieder zu fragen, was denn meine ganz
besondere Berufung zur Nachfolge Christi ist. Und dabei können wir uns gut
und gerne auch mal überraschen lassen von dem, was da an Erkenntnis kommt.
Nur Mut!
Wir sind alle, alle, alle berufen zu etwas ganz Besonderem. Fangen wir an, das
herauszufinden.
Amen.

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