Predigt am 25. Juni 2023
Es klingt ziemlich düster, am Ende dieses Evangeliums.
„Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem
Vater im Himmel verleugnen“. (Mt 10,33).
Würden wir einzig und alleine diesen Satz kennen, dann könnten wir
verzweifeln. Denn dann wäre hier die Rede von einer recht seltsam
anmutenden Haltung:
Jesus verleugnet uns vor dem Vater, wenn wir uns nicht zu ihm bekennen. Das
klingt knallhart.
Da wir aber den ganzen Text haben, können wir uns dieser Aussage Schritt für
Schritt nähern.
Schritt eins: Jesus sagt uns: Habt keine Angst. Fleißige Bibelforscher haben mal
nachgezählt, wie oft in der Bibel die Rede davon ist, dass wir keine Angst haben
sollen. Und sie sagen: Es sind 365 Stellen mit dieser Aussage. Ich hab das bisher
noch nicht nachgezählt, aber: Das steht sehr oft in der Bibel.
Habt keine Angst. Fürchtet euch nicht. Also auch heute und hier heißt es
zunächst: Fürchtet euch nicht. Sogar vor denen, die mich töten wollen, soll ich
mich nicht fürchten, weil sie nur den Leib, aber nicht die Seele töten können.
Wir können diesen ersten Schritt unter die Überschrift „Habt Vertrauen“ stellen.
Haben wir Vertrauen zu Gott, zu Jesus Christus.
Schritt zwei: Jesus sagt: Fürchtet euch! Moment – das ist ja genau das Gegenteil
von Schritt eins? Nein, nur eine Ergänzung. Wir sollen uns vor dem Bösen
fürchten, vor der Versuchung. Die Hölle ist hier zu verstehen als der Ort, der
völlig fern von Gott ist, keinen Bezug zu Gott hat und keine Liebe kennt.
Die Überschrift von Schritt zwei ist daher: „wendet euch nicht von Gott ab!“
Kommen wir zu Schritt drei. Nichts geschieht ohne den Willen Gottes. Diese
Aussage steht scheinbar im Widerspruch zur Freiheit, die uns Christus gegeben
hat und die wir ja auch nutzen, um uns zum Beispiel für das Gute oder für das
Böse zu entscheiden.
Hier ist also nicht gemeint, dass wir von Gott völlig fremd bestimmt sind.
Gemeint ist im Gegenteil, dass in allem was geschieht die Chance ist, Gott zu
finden. Denn sein Wille ist nun mal ziemlich schwer zu erkennen. Ereignisse, die
heute stattfinden, haben vielleicht eine Bedeutung für uns in 5 Jahren, weil Gott
seine Finger im Spiel hat.
Nehmen wir als Überschrift für den dritten Schritt „den Willen Gottes
erkennen“.
Bei jedem dieser drei Schritte hilft uns Christus auf die Sprünge. Er steht immer
an unserer Seite und hilft uns. Wir müssen einfach auf ihn schauen.
Und mit diesen drei Schritten im Kopf:
Vertrauen – wendet euch nicht von Gott ab! – den Wille Gottes erkennen
können wir nun das Ende des heutigen Evangeliums anschauen.
Denn wenn ich a) auf Gott vertraue, wenn ich b) mich nicht von Gott abwende
und wenn ich c) stets versuche, den Willen Gottes zu erkennen, dann stellt sich
die Frage gar nicht, dann verleugnet mich Christus ja gar nicht vor dem Vater.
Wenn ich aber kein Gottvertrauen habe, dann wird es schon schwierig, mich
nicht von Gott abzuwenden. Das kann aber durchaus passieren – jeder von uns
kann in die Situation kommen, dass wir Gott nicht mehr spüren, das wir zu
belastet und depressiv sind und keine Vertrauen mehr in ich haben. Aber selbst
wenn das passiert – und vielen Menschen ist das passiert – dann hab ich
immer noch die dritte Möglichkeit: Den Willen Gottes suchen und versuchen zu
erkennen. Dabei geht es nicht darum, Professorin der Theologie zu werden, um
das zu erreichen. Es geht darum, Gott die Möglichkeit einzuräumen, mich zu
finden. Wie das geschehen kann, ist völlig offen. In den Psalmen – und das sind
alles Gebete zu Gott – finden sich auch Beschimpfungen und Verfluchungen von
Gott. Da wird zuweilen nicht besonders zimperlich mit Gott umgesprungen.
Und das ist gut so. Gott hält das schon aus. Wichtig ist es also, auf irgendeine
Weise mit Gott in Kontakt zu bleiben. Eine Freundin, die sehr viel mit Gott zu
klären hat, weil es ihr sehr schlecht geht, hat das mal so formuliert: „Es ist
Schweigen zwischen Gott und mir“. Selbst das ist möglich.
Nur dann, wenn ich Gott überhaupt keine Chance gebe, nur dann, wenn ich
mich bewusst gegen sein Wort stelle und extra viele böse Taten begehe, nur
dann gilt das Wort von Jesus: Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den
werde ich auch vor dem Vater im Himmel verleugnen. Denn dann gibt es auch
für Jesus keine Möglichkeit mehr, irgendetwas zu finden, was hier noch zählen
würde.
Ich habe noch nie einen Menschen gefunden, auf den das zutreffen würde.
Amen.