Danke, Thomas

Predigt am 5. Ostersonntag 2008 zu Joh 14,1-12

 

Ich mag ihn.

Diesen Apostel Thomas, von dem im heutigen Evangelium am Rande die Rede ist, den mag ich.

Ich mag ihn, weil er sich als so menschlich erweist. An mehreren Stellen in der Bibel, vor allem im Johannesevangelium, können wir das nachlesen.

Thomas wird durch die Kirchengeschichte hindurch ja immer wieder gerne als der Zweifler oder gar der Ungläubige vorgestellt. Dabei beruft man sich dann auf jene Begegnung Jesu mit seinen Jüngern nach Ostern, an der Thomas zunächst nicht teilnimmt und daher sagt: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Das ist zutiefst menschlich. Wir Menschen wollen sehen und begreifen, wollen anfassen und fühlen, wollen unsere Sinne einsetzen und sie nutzen, um die Welt zu verstehen.

Bei den kleinen Kindern ist das sehr deutlich: sie fassen alles an, nehmen alles in den Mund, sie ertasten sich ihre Welt.

In seinem Wunsch, Jesus anzufassen, zeigt sich Thomas doch so menschlich.

Er möchte einfach herausfinden, ob das die Wahrheit ist, was die anderen da erzählen: Von wegen – er ist auferstanden… Stimmt das nun oder stimmt das nicht?

Wir alle wissen, wie die Geschichte mit Thomas und Jesus weiterging: bei seiner Begegnung mit dem auferstandenen Jesus und der Möglichkeit, ihn tatsächlich anzufassen und so seine Auferstehung zu begreifen, da kommt Thomas zu dem Bekenntnis: Mein Herr und mein Gott – auch ohne Jesus tatsächlich anfassen zu müssen.

Und dann muss er sich von Jesus anhören: Selig, die nicht sehen und doch glauben.

Jesus verlangt da mehr, als Thomas ihm in diesem Moment geben kann. Thomas versucht zu begreifen, dass Jesus tatsächlich auferstanden ist, und er findet eine Möglichkeit im anfassen. Und dann muss er von Jesus hören, dass er wohl noch nicht den richtigen Weg gefunden hat. Erst ein Glaube ohne Anfassen scheint das richtige zu sein. Das war nicht leicht zu verdauen für Thomas.

Wir Menschen tun uns immer wieder sehr schwer damit, etwas zu glauben, was man nicht anfassen kann.

Und sicher hat Jesus den Thomas damit auch verunsichert – ein Gefühl, das Thomas bestimmt schon kannte.

Und auch dieses Gefühl ist doch ganz normal und menschlich.

Thomas war ja derjenige, der viele Fragen hatte, und vermutlich ist nur ein kleiner Teil dieser Fragen tatsächlich in die Bibel gewandert.

Im heutigen Evangelium z.B. haben wir die Frage des Thomas gehört:

Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Woher sollen wir dann den Weg kennen?

Auch das ist so zutiefst menschlich: Thomas braucht einen Wegweiser. Das ist so bei uns Menschen: Wir brauchen eine Orientierung in unserem Leben als Menschen, hier auf dieser Erde. Wer von uns weiß schon wirklich und absolut und unantastbar, wie sein Lebensweg gehen muss?

Auch die Tatsache, dass Thomas sich mit seinen Fragen an Jesus wendet, dass er also die nötige Orientierung in seinem Leben bei der Person und der Botschaft Jesu sucht, auch das macht mir den Thomas so sympathisch.

Er kennt sich genau: Er weiß um seine Unzulänglichkeiten und seine Anfragen und Zweifel. Und deshalb wendet er sich an Jesus, weil er bei ihm einen Halt sucht, weil er sich von ihm Antworten erhofft, die er von sich aus nicht finden kann.

Genau dieser Thomas ist es, der einige Zeit vor den Ereignissen vom Ölberg und von Golgotha, als nämlich Jesus mit den Jüngern auf dem Weg nach Bethanien gewesen war, um Lazarus zu erwecken, ein ganz klares Bekenntnis zur Nachfolge abgegeben hatte:

Er hatte aufgrund der Nähe zu Jerusalem eine Gefahr für Jesu Leben gesehen, aber als es ihm klar wurde, das Jesus seinen Weg weiter gehen würde, klar bekannt: Dann lasst uns gehen und mit Ihm sterben.

Dieses Bekenntnis kommt also von einem Mann, der so viele Fragen hatte, der so sehr auf der Suche nach dem Glauben war, nach dem Weg seines Lebens.

Und Jesus kennt seinen Apostel Thomas. Er hatte 3 Jahre Zeit, diesen Mann kennen zu lernen, den er in seine Nachfolge gerufen hatte.

Und auf diesem Hintergrund, mit all diesem Wissen um die Persönlichkeit des Thomas, antwortet Jesus nun im heutigen Evangelium auf die Frage des Thomas:

Sie erinnern sich: Wie sollen wir dann den Weg kennen?

Er antwortet mit den Worten: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.

Diese Antwort, die Jesus da dem Thomas gibt, die enthält also letztlich all das, wonach Thomas gesucht hatte:

Die Suche nach dem Weg, also nach Orientierung in all dem, was ihn beschäftigte.

Die Suche nach der Wahrheit – wie finde ich zum Glauben an die Auferstehung?

Und schließlich: Die Suche nach Leben, also nach dem Kern seiner Existenz.

Und auch deshalb ist mir der Thomas so sympathisch: Durch seine Fragen kommt ja Jesus zu dieser zentralen Aussage, Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben – die er ja nicht nur diesem einzelnen Menschen gegeben hat, sondern die er uns allen zugesprochen hat.

Wir alle haben dadurch die Möglichkeit, die zutiefst Sinn gebende Gemeinschaft mit Jesus Christus zu finden. Er ist unser Weg, er ist unsere Wahrheit, er ist unser Leben.

Danke, Thomas!

Danke, Jesus.

Amen.

 

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