Valentinstag und Korintherbrief

Predigt am 15.02.2026 zu 1 Kor 2,6-10

Am Valentinstag denken viele Menschen an Blumen, Karten und liebevolle Nachrichten – so, wie dieser Tag vor allem in Deutschland und in Teilen Europas gefeiert wird.
In Korea hat er einen anderen Akzent. Da haben wir diese Drei-Monats-Geschichte: Am 14. Februar beschenkt sie ihn, am 14. März beschenkt er sie und am 14. April, da geht’s dann um die Singles.
Nein, ich spreche über die Art, wie wir in Europa das machen oder in Teilen von Europa. Für viele ist er ein Tag der Freude, für manche aber auch ein Tag mit gemischten Gefühlen: Erwartungen werden nicht erfüllt, eine Beziehung fehlt oder eine Liebe ist zerbrochen. Doch gerade dieser Tag zeigt etwas sehr Menschliches: Wir alle sehnen uns nach Liebe, nach jemandem, der uns sieht, uns annimmt und bei uns bleibt.

Die Worte des Apostels Paulus weisen auf eine Liebe hin, die weit über das hinausgeht, was wir gewöhnlich darunter verstehen: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. Uns aber hat es Gott enthüllt durch den Geist.“ Am Valentinstag können wir neu entdecken, dass die Liebe, von der Paulus spricht, größer ist als unsere Vorstellungen.

Ich möchte das an drei Punkten aufzeigen:

Erstens: Gottes Liebe ist größer, als wir sie uns vorstellen können.
Menschen verbinden mit Liebe oft romantische Erwartungen, große Gefühle und ideale Beziehungen. Menschliche Liebe kann wunderbar sein – sie ist ein Geschenk. Doch wir wissen auch, dass sie begrenzt sein kann. Gefühle verändern sich, Menschen enttäuschen einander, Beziehungen können zerbrechen. Gottes Liebe hingegen sprengt unsere Vorstellungskraft. Sie hängt nicht von unserer Leistung ab, endet nicht, wenn wir scheitern, und bleibt selbst dann, wenn wir uns kaum noch selbst lieben können. Blumen und Geschenke am Valentinstag können deshalb auch ein Hinweis auf eine größere Wirklichkeit sein: auf eine Liebe, die tiefer, verlässlicher und ewig ist.

Zweitens: Gottes Liebe geht tiefer als unsere Gefühle.
Heute wird Liebe oft mit Emotionen gleichgesetzt. Gefühle sind wichtig, aber sie kommen und gehen. Die Liebe Gottes ist geduldig, treu, vergebend und beständig. Diese Liebe entsteht nicht aus eigener Kraft. Gottes Geist erschließt uns die Tiefen seiner Liebe und verändert unser Herz. Vielleicht lädt der Valentinstag deshalb dazu ein, nicht nur zu fragen, was wir fühlen, sondern auch, wo wir zulassen, dass Gottes Geist unsere Fähigkeit zu lieben vertieft.

Drittens: Gottes Liebe ist ein überraschendes Geschenk. Gott liebt uns nicht, weil wir perfekt sind oder alles richtig machen, sondern trotz unserer Grenzen. Wer sich selbst als beschenkt weiß, kann auch anderen schenken. Wer erlebt, dass er geliebt ist, kann vergeben, neu anfangen, auf andere zugehen und Liebe weitergeben. Der Valentinstag kann so zu einem Tag werden, an dem wir nicht nur Liebe erwarten, sondern bewusst weitergeben – im Wissen, dass wir sie zuerst von Gott empfangen.

Gottes Liebe ist größer, als wir denken, tiefer, als wir fühlen, und ein Geschenk, das wir weitergeben dürfen.

Wir müssen nicht erst darauf warten, geliebt zu werden. Wir sind es längst. Amen.

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