Mut zum Frieden

Predigt am 17.11.2024 Mut zum Frieden

Liebe Schwestern und Brüder,

die Stola, die ich heute trage, passt zur Zeit im Kirchenjahr. Sie ist grün – die Farbe des Alltags, die Farbe der Hoffnung, die Farbe des Wachsens. Grün ist die Farbe, die wir am häufigsten sehen, wenn keine großen Feste gefeiert werden.

Wenn man aber genau hinschaut, dann sieht man: Da schimmert noch etwas anderes durch. Ein wenig Rot.

Und Rot hat in unserer Liturgie eine besondere Bedeutung. Rot ist die Farbe des Heiligen Geistes an Pfingsten. Rot ist die Farbe des Blutes am Karfreitag. Und Rot ist die Farbe der Märtyrer – der Menschen, die für ihren Glauben ihr Leben gegeben haben.

Heute denken wir besonders an einen solchen Menschen: an Max Josef Metzger, der seliggesprochen worden ist, weil er das Martyrium erlitten hat, weil er für seinen Glauben gestorben ist.

Eine Seligsprechung bedeutet: Die Kirche erkennt an, dass ein Mensch in besonderer Weise ein Vorbild im Glauben ist. Wir alle brauchen Vorbilder im Leben. Und als Christen und Christinnen brauchen wir Vorbilder im Glauben. Die Seligen und Heiligen sind solche Menschen. Sie zeigen uns, wie Glauben konkret aussehen kann.

Aber die entscheidende Frage ist: Warum gerade er? Was macht sein Leben zu einem Glaubenszeugnis?

Ich möchte das vom heutigen Evangelium her verstehen. Dort sagt Jesus:
„Meine Worte werden nicht vergehen.“

Fast alles in dieser Welt vergeht. Systeme vergehen. Macht vergeht. Ideologien vergehen. Aber das Wort Gottes bleibt. Es trägt über die Zeit hinaus. Es hat Anteil an der Ewigkeit.

Max Josef Metzger hat genau darum gerungen: Was trägt wirklich? Was bleibt? Was ist stärker als Angst, Gewalt und Macht?

Er wurde 1887 geboren und erlebte eine Zeit großer Umbrüche und Kriege. Als junger Priester zog er zunächst begeistert in den Ersten Weltkrieg. Aber das Leid, das er dort sah, hat ihn verändert. Er wurde zu einem radikalen Pazifisten.

Ein zentrales Wort seines Lebens war: Dialog. Er setzte sich ein für Verständigung zwischen Völkern, für Versöhnung, für Frieden. Und die Grundlage dafür war für ihn die Liebe Gottes.

Er war überzeugt: Nur wenn wir erkennen, dass Gott uns liebt, können wir selbst Liebe weitergeben. Und nur aus dieser Liebe kann echter Frieden wachsen.

Als der Nationalsozialismus aufkam, hat Metzger früh und klar erkannt: Das ist nicht vereinbar mit dem Evangelium. Er hat widersprochen. Er hat kritisiert. Nicht mit Gewalt, sondern mit Worten, mit Gesprächen, mit dem Versuch, Menschen zum Umdenken zu bewegen.

Er wusste, dass dieser Weg gefährlich war. Er wurde mehrfach verhaftet. Schließlich wurde er zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Vor seinem Tod sagte er:
„Ich habe keine Angst, das Leben zu verlieren, wenn es für Frieden und Wahrheit ist.“

Er hat gelebt aus dem Evangelium – bis zum letzten Atemzug.

Deshalb sagt die Kirche heute: Sein Leben ist ein Zeugnis. Ein Zeugnis dafür, dass die Worte Jesu nicht vergehen. Dass sie tragen können – auch unter den schwersten Bedingungen.

Liebe Schwestern und Brüder,

sein Leben ist nicht nur Geschichte. Es ist eine Frage an uns.

Was bedeutet das Evangelium für mein Leben?
Wo stehe ich für Frieden ein?
Wo widerspreche ich der Ungerechtigkeit?
Wo baue ich Brücken statt Mauern?

Wir leben in einer Welt, in der wieder Mauern entstehen. In der Konflikte wachsen. In der Ungerechtigkeit und Misstrauen zunehmen. Vielleicht fühlen wir uns oft machtlos.

Aber das Evangelium wirkt nicht zuerst durch große Macht. Es wirkt durch Menschen, die es leben. Durch Worte, die aus dem Glauben kommen. Durch Taten, die aus der Liebe kommen.

Jesus sagt: „Meine Worte werden nicht vergehen.“
Das ist wie ein Geländer, an dem wir uns festhalten können, wenn der Boden unsicher wird. Wenn Angst kommt. Wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht.

Und vielleicht hilft uns auch das Bild der Stola: Grün ist der Alltag. Unser ganz normales Leben. Aber manchmal schimmert Rot hindurch. Mut. Klarheit. Standhaftigkeit. Die Bereitschaft, für den Glauben einzustehen.

Nicht jeder ist zum Martyrium berufen. Aber jeder ist gerufen, Zeugnis zu geben. Im Kleinen. Im Alltag. Dort, wo wir leben und arbeiten.

Die Frage an uns lautet:
Wo trägt mich das Wort Jesu?
Wo fordert es mich heraus?
Wo bin ich gerufen, aufzustehen – für Wahrheit, für Gerechtigkeit, für Frieden?

Ich möchte Sie einladen, jetzt innerlich einen Moment still zu werden und sich zu fragen:
Was bedeutet das ganz konkret für mein Leben?

Amen.

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