Predigt am 13. Oktober 2024 zu Mk 10,21
Liebe Gemeinde,
„Verkaufe, was du hast, und folge mir nach!“
Der junge Mann ist reich, sehr reich.
Als Jesus ihn damit konfrontiert, alles zu verkaufen, was er hat, das ganze Geld
den Armen zu geben und dann Jesus nachzufolgen, ist das zu viel für ihn.
Alles hätte er erwartet als Antwort auf seine Frage, was er tun müsse, um das
ewige Leben zu bekommen.
Und Jesus sagt ihm nun so etwas. Das ist unglaublich. Er lebte doch schon nach
den Geboten, war ein eifriger Kenner der Bibel und hatte sich ja extra an Jesus
gewandt, um von ihm zu hören, dass er alles richtig macht und nun mit all
seinem Vermögen fröhlich weiterleben kann, und zwar ewig.
Jesus macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Der junge Mann bekommt
eine harte Lektion erteilt. Er muss lernen, dass all sein Geld nicht hilft auf dem
Weg zum Reich Gottes – jedenfalls dann, wenn er es behalten möchte.
Wenn er seinen Reichtum aber komplett verschenkt, dann gibt es Hoffnung für
ihn. Dann kann er sich öffnen für das Evangelium. Dann kann er Jesus
nachfolgen. Und Jesus nachzufolgen heißt: Auf dem Weg zum Reich Gottes, auf
dem Weg zum ewigen Leben zu sein.
Jesus hat die Armen ganz besonders im Blick. Um sie sollen wir uns kümmern.
Das ist Nachfolge Jesu.
Liebe Schwestern und Brüder,
mir geht das Bild einer großen Mauer durch den Kopf. Ich stehe vor dieser
Mauer. Ich will unbedingt auf die andere Seite der Mauer.
An der Mauer steht eine Leiter. Ich weiß, dass die Leiter gerade so mein
Körpergewicht trägt, aber auf keinen Fall mehr. Meinen ganzen Besitz muss ich
zurücklassen, wenn ich hinüber möchte. Oder ich bleibe eben auf dieser Seite.
Ich weiß also, dass ich mich entscheiden muss: Entweder – oder.
Entweder halte ich mich an das Wort Gottes, richte mich nach Jesus und folge
ihm nach – dann muss ich alles zurücklassen, was mich von ihm trennt.
Oder ich bleibe auf meiner Seite der Mauer, schau ab und zu auf die Leiter,
jammere und klage, dass ich doch meinen Reichtum so gerne behalten möchte,
und jammere und klage noch mehr darüber, dass ich doch so gerne auf die
andere Seite der Mauer möchte, auf der mich das ewige Leben im Reich Gottes
erwartet.
Was hält uns eigentlich wirklich ab, frei zu werden von all dem Besitz und
dadurch Jesus zu entdecken?
Übrigens geht es Jesus nicht darum, dass wir nun hungern oder obdachlos
werden, wenn wir alles verschenkt haben.
Wenn wir alles verschenken, sind wir die Armen, die Jesus ja ganz besonders im
Blick hat und um die er sich intensiv kümmern möchte.
Jesus geht es also einerseits darum, dass wir, die wir reich sind, mit den Armen
unseren Besitz teilen – und andererseits darum, dass wir genau dadurch frei
werden, nicht mehr abgelenkt sind von dem, was unser Heil ist.
Haben wir den Mut, mitzuarbeiten an einer größeren Gerechtigkeit in der Welt.
Wir werden sehen, wie leicht es dann fällt, über die Mauer zu kommen.
Amen.