Christentum, Judentum und Islam sind monotheistische Religionen: Wir glauben alle an einen Gott. Die Gottesbilder und die theologischen Zugänge zu diesem einen Gott sind bekanntlich sehr unterschiedlich und führen immer wieder zu unfriedlichen Auseinandersetzungen.
Es lohnt sich aber, Gemeinsamkeiten zu finden und Brücken zu bauen.
Eher unbekannt ist dagegen das Bahaitum oder die Bahai-Religion. Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet und ist weltweit verbreitet. Der Gründer, Bahāʾullāh, wurde 1817 in Teheran geboren. 1863 erklärte er sich zum neuen Gesandten Gottes und verkündete eine neue Offenbarung. Der Name Bahāʾullāh ist ist der religiöse Ehrentitel von Mirzā Husain Ali Nuri (12. November 1817 in Teheran geboren; gestorben am 29. Mai 1892 in Akkon) und heißt übersetzt: die Herrlichkeit Gottes.
Die Bahá’i-Religion in Deutschland, mit etwa 6.000 Mitgliedern, ist rechtlich den großen Kirchen gleichgestellt und stark im interreligiösen Dialog engagiert. Die Bahá’i streben die Einheit der Menschheit an und glauben an regelmäßige göttliche Offenbarungen, wobei Bahāʾullāh als letzter Gesandter Gottes gilt. In Deutschland gibt es seit 1907 Bahá’i-Gemeinden, mit dem wichtigsten „Haus der Andacht“ im Taunus bei Frankfurt. Die Bahá’i glauben an die Propheten vieler Religionen und legen großen Wert auf Werte wie Bildung, soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Sie betonen die Einheit Gottes, der Offenbarungen und der Menschheit. Die Gemeinden werden von sog. Geistigen Räten geleitet und haben keine Priester, dadurch soll der individuelle geistige Austausch gefördert werden. Ein bekanntes Ritual ist das „Neunzehntagefest“, das Gebete, Beratung und geselliges Beisammensein vereint.

Kernaussage ist der Aufruf, die Erde als nur ein Land zu sehen und alle Menschen diesem Land zuzuordnen. Mit diesem Prinzip der Einheit fordert er dazu auf, die gesellschaftlichen Zustände zu überdenken. Alle Religionen sollen einander in Frieden begegnen.
Der Gott des Bahaitums ist allwissend und allliebend, sein Wesen kann aber nicht verstanden werden. Die Gründer der anderen Religionen der Welt werden als Manifestationen des einen Gottes verstanden mit je eigenen Möglichkeiten, auf die Nöte der Gesellschaft einzugehen. Als Hauptvision gilt der Aufbau einer Welt voller Frieden und Gerechtigkeit.
Mit diesen Gedanken im Kopf möchte ich gerne ein paar Gedanken vom Besuch des Lotus-Tempels in Neu Delhi weitergeben. In einem großen Park 
mit vielen Blumen
findet sich in Neu Delhi der Lotus-Tempel der Bahai.
Die Zahl der Bahai-Tempel wächst weltweit nach und nach. Inzwischen gibt es auf jedem Kontinent mindestens einen. Die Planung des indischen wurde 1976 begonnen, 1984 wurde er eingeweiht.

Wir durften zwar in den Tempel hineingehen, dort aber nicht fotografieren.
Die Atmosphäre drinnen war von Stille und Andacht geprägt. Auffällig war die überall präsente Zahl 9, die sich vor allem in der Architektur wiederfand. Die Zahl 9 steht für Vollkommenheit und Einheit:
Es ist der höchste einstellige Wert, was diese Zahl zum Symbol für Ganzheit und Vollständigkeit macht. Das Symbol der Bahá’i-Religion ist übrigens ein neunzackiger Stern. Die Tempel haben neun Eingänge, die alle Menschen unabhängig von ihrem Glauben willkommen heißen.

Das Gelände ist sehr groß und trägt bei zu einer sehr friedvollen Atmosphäre. Wir sahen Menschen aus vielen Kontinenten und Religionen – und von der Hektik und dem Lärm Neu-Delhis war nichts zu spüren und zu hören. Ich hab das sehr genossen.
