Predigt am 1. Fastensonntag 2008
Liebe Katechumenen, liebe Gemeinde!
Wenn uns etwas sehr böses begegnet, wenn Menschen uns oder anderen etwas antun, dann gerät zuweilen unser Leben durcheinander. Unsere Gedanken sind erschüttert, und unseren Gefühlen geht es nicht anders.
Ein völliges Durcheinander, das in unserem Leben plötzlich da ist.
Durcheinander – die ersten Christen sagten in ihrer Sprache, auf Griechisch nämlich, diabolisch dazu.
Und derjenige, der alles durcheinander wirft, der alles kaputt macht, der unser Leben aus dem Takt bringt, das ist der Diabolos – heute im Evangelium übersetzt mit dem Teufel.
Diesem Diabolos, dem Durcheinanderbringer, dem wird im heutigen Evangelium viel Platz eingeräumt. Und es ist kein Zufall, dass dieses Evangelium am ersten Fastensonntag, also zu Beginn der Vorbereitungszeit auf Ostern, in allen Gottesdiensten verlesen wird.
Denn hier greift die Kirche zum einen auf eine ganz alte Tradition zurück: Nämlich sich zu Beginn der österlichen Bußzeit, wie die Fastenzeit ja auch genannt wird, darauf zu besinnen, dass es nicht einfach ist, das eigene Leben in Ordnung zu bringen und zu halten, und zwar so , dass dabei nicht nur menschliches Denken Raum hat, sondern es auch viel Platz gibt für Gottes Anspruch, in unserem Leben mitzureden.
Zum anderen ist mit dem ersten Fastensonntag in vielen Bistümern der Welt auch die Zulassung von erwachsenen Taufbewerbern zu den Sakramenten der Taufe, der Firmung und der Eucharistie verbunden.
Und dies hat eine ganz tiefe Bedeutung: Am Anfang der Zeit, in der wir Christen umkehren sollen, in der wir uns neu auf Gott ausrichten sollen, in der wir unser Durcheinander im Leben und im Glauben wieder in Ordnung bringen sollen, steht für die Taufbewerber die unmittelbare Zeit der Vorbereitung auf das Christwerden an.
Liebe Katechumenen,
Ihr habt etliche Monate der Vorbereitung bereits hinter euch. Wir haben euch eingeführt in den christlichen Glauben, und ihr habt angefangen, euch einzuüben in das Leben als Christ, als Christin.
Ihr habt
- die Bibel als Glaubensbuch lesen gelernt
– Spuren Gottes in der eigenen Lebensgeschichte entdeckt.
– Lebens- und Glaubenserfahrungen ausgetauscht.
– Das Kirchenjahr miterlebt
– ein wenig das Gemeindeleben kennengelernt und miterlebt; - Möglichkeiten des sozialen Engagements entdeckt
- – Die Grundgebete der Christen – Vaterunser und Glaubensbekenntnis – kennen gelernt und als Ausdruck des eigenen Glaubens mitgebetet
– Überhaupt das Beten und den Gottesdienst mitzufeiern gelernt.
All das hilft euch, so manches Durcheinander in eurem Leben zu ordnen und dieses Leben ganz und gar Jesus Christus anzuvertrauen– genau wie alle bereits getauften Menschen von Gott aufgerufen sind, ihr Leben neu zu ordnen und es ganz neu auf Jesus Christus auszurichten.
Das heutige Evangelium sagt uns mit schonungsloser Deutlichkeit und Klarheit:
Es gibt nichts, was wir über Jesus Christus stellen dürfen. Alle Versuchungen dieser Welt müssen dem Blick auf Jesus Christus weichen, und dabei ganz besonders alle Macht- und Geldgier.
Es gibt keinen Gott außer Gott, es gibt keinen Herrn unseres Lebens außer Jesus Christus.
Unser Leben wird nicht gelingen, wenn wir es in Streit und Hass, in Gewalt und Übervorteilung leben.
Unser Leben wird nicht gelingen, wenn wir den einfachen Blick auf das wesentliche unseres Lebens vergessen.
Unser Leben wird nicht gelingen, wenn wir das tägliche Brot ersetzen durch Machtspiele, in denen andere Menschen klein gemacht werden sollen.
Unser Leben wird ein ganz großes Durcheinander, es wird diabolisch, wenn wir die Bibel quasi als Steinbruch hernehmen, also so interpretieren, wie wir es gerade brauchen, ohne den Blick auf das zu werfen, was damals wirklich Thema war. Denn das ist ja ein ganz beliebtes Spiel, dass auch der Teufel da mit Jesus versucht zu spielen: Eine Bibelstelle aus dem Zusammenhang zu reißen und damit Argumente gegen Gott zu finden.
Dem Teufel, diesem Durcheinanderbringer, gelingt es nicht, Jesus abzubringen von seinem Weg.
Wenn wir also heute uns neu ausrichten auf Jesus Christus, dann lernen wir zugleich, dass das Durcheinander unseres Lebens einer neuen Ordnung bedarf. Und diese Ordnung finden wir in Jesus Christus.
Ob Katechumene oder ob Christ seit vielen Jahren: Der Auftrag der Neuorientierung an Gottes Wort ist für alle gleich.
Amen.