Es war ein wunderschöner Tag, und unsere kleine Reisegruppe der deutschsprachigen katholischen Seelsorger aus Asien und Australien hatte ein klares Ziel: Wir wollten den wohl berühmtesten Berg Japans anschauen, den Fuji-san.
Aber dieser Berg hat seine Eigenheiten; er zeigt sich nicht einfach so. Und so ging es auch uns: Er war versteckt hinter einer Wolkenwand. Auch wenn der Volksmund sagt, dass er das gerne so macht, weil er dann weiß, dass man wiederkommt – ich war eiin bisschen enttäuscht.
Natürlich fotografierte ich die Stelle, von der man ihn eigentlich sehen kann, wenn denn frei Blick ist. Ein kleiner Trost war das. Und als größeren Trost bekamen wir alle von unserem Kollegen Pfarrer Quint zusätzlich ein Bild, auf dem der Berg tatsächlich zu sehen ist.
Das ist eben manchmal so: Man würde gerne etwas ganz besonderes sehen, von dem schon viele geschwärmt haben, und dann ist das nicht möglich.
Mir kommt die Bibelstelle vom kommenden Palmsonntag in den Sinn. Da hören wir die Passion nach Matthäus: “Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn war dieser!” (Mt 27,54).
In dieser Stunde des Todes von Jesus kommen sie zur Erkenntnis und zum Glauben. Auch wenn Jesus schon tot war. Oder vielleicht gerade deshalb? Auf jeden Fall haben sie diese Erfahrung uns voraus. Unser Weg zur Erkenntnis und zum Glauben ist oft eher so eine Fuji-san-Erfahrung – und basiert auf Vertrauen und der Zusage, dass da tatsächlich etwas ist, auch wenn wir es nicht einfach so sehen können. Und das ist Kern von dem, was wir Glauben nennen, gerade in der nun beginnenden Heiligen Woche.