Ich bin es – ich sehe es – ich glaube es

Predigt am 4. Sonntag der Fastenzeit A am 15.03.2026

Die Heilung des Blinden hat etwas faszinierendes: Wenn jemand blind ist, ist er ja getrennt von den Dingen dieser Welt. Er kann keine Gesichter sehen, hat keinen Eindruck von bunten Farben und sieht vom Namsan Tower aus nicht in die Weite. Es fehlen einfach viele Informationen, die man als sehender Mensch automatisch bekommt.

Wenn sich nun diese Situation radikal ändert, wenn die Augen aufgehen, wenn ich wieder teilhaben kann an all dem, dann ist das wie ein großes Fest, ein Fest des Lebens, ein Fest der Sinne.

Das können wir auch bei der heutigen Heilungsgeschichte annehmen. Damals war die Situation für Blinde noch viel schlimmer als heute, es gab keine Blindenlangstöcke und keine Leitstreifen auf dem Gehweg, von technischen Hilfsmitteln im Smartphone mal ganz abgesehen.

Es geht um die Erfahrung von Licht. Das ist uns allen klar. Der vorher blinde Mann kann wieder Licht sehen.
Licht heißt in der Sprache des Neuen Testamentes, das war ja auf Griechisch geschrieben, Phos. Und die dieses Wort findet sich nicht nur im Kontext der Physik, also der Optik. Phos ist auch ein Teil des Wortes Photisma. Und Photisma heißt übersetzt Taufe. Wörtlich heißt Photisma Erleuchtung. Wer getauft war, galt als Erleuchteter, photizomenon.
Bis zur Taufe, so war man sich sehr bewusst, war nicht klar, wohin man gehen würde, woher man kam und was der Sinn des eigenen Lebens war. Man war sicherlich auf der Suche, nach Gott, nach dem Glauben, aber all das hatte ohne die Taufe einfach nicht das richtige Fundament.

Der blinde Mann, der da zum Licht gefunden hat, der sehen konnte, der hat genau das erlebt: Das Erste, was er nach seiner Heilung sah, war das Gesicht seines Heilands und Erlösers, das Gesicht Jesu Christi.

Oder mit anderen Worten: Wer Christus sieht, der sieht das Heil, der kennt seinen Weg, der weiß, wem er nachfolgen wird. Das war für die ersten Christen eine ganz klare Erkenntnis. Wer Christus sieht, der sieht das Heil.
Dann können wir auch diesen bekannten Satz von Jesus verstehen, dass er das Licht der Welt ist.

Im Johannesevangelium wird dieser Satz aber noch einmal verstärkt: Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Das heißt, bis zu seiner Himmelfahrt. Danach ist Jesus nicht mehr in der Welt.

Und hier beginnt nun die Frage, die die Christen und Christinnen aller Zeiten immer wieder neu bewegt hat:

Wenn Christus nun nicht mehr auf Erde, in der Welt ist – wie geht es weiter? Wenn wir ihn nicht mehr sehen können, was macht das mit unserem Glauben?

Die Antwort darauf finden wir im heutigen Evangelium.
Denn der vormals blinde Mann wird mehrfach angezweifelt. Man kann nicht glauben, dass er vorher blind war, oder man denkt, dass es sich um einen Mann handelt, der dem Blinden nur ähnlich sieht. Die Antwort des Blinden:
1. Er steht dazu. Er sagt einfach „Ich bin es“.
2. Er sagt: „Jetzt sehe ich.“
3. Er sagt: Er ist ein Prophet.

Dieser Dreischritt – Ich bin es, jetzt sehe ich, er ist ein Prophet – ist alles was wir brauchen.

Wenn wir als Christ, als Christin sagen: Ich bin es, ich folge Christus nach, dann  bekennen wir uns zu ihm. Das braucht die Welt mehr als je zuvor.

Wenn wir sagen: „Jetzt sehe ich“, dann ist das unser Glaubensbekenntnis als Getaufte, als vom Licht Christi Erleuchtete – Photizomenon.

Und wenn wir sagen: er ist ein Prophet, dann zeigen wir, dass er eine besondere Rolle hat. Das er etwas zu sagen hat, das für unser Leben absolut relevant ist.

 

Und schließlich gibt es noch Nr. 4. Die vierte Antwort des nun sehenden Mannes gibt er auf die Frage von Jesus: Glaubst du an den Menschensohn?
Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube?
Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr!

Ich glaube, Herr!

Diese Worte überwinden den Zweifel, was denn nun ist, seit Jesus nicht mehr körperlich auf dieser Erde, in dieser Welt ist.
Ich glaube, Herr, das ist das Bekenntnis, das direkt zu Licht führt. All meine Hoffnung, meine Sehnsucht, meine Zweifel, meine Angst und Trauer werden aufgefangen in diesem Bekenntnis.

Die Heilung des Blinden im heutigen Evangelium ist untrennbar verbunden mit der Frage nach unserem Glauben, nach unserem Bekenntnis zu Christus, nach unserer Nachfolge. Wenn wir uns das bewusst machen, und wenn wir dann davon erzählen, dann werden wir zu Menschen, deren Stimme in der Welt gehört wird. Dann werden wir zu Menschen, die die Dinge ansprechen, die nicht in Ordnung sind, wie das die Propheten getan haben, und die Gottes Wort zum Klingen bringen.

Der heutige Dreischritt lautet:

Ich bin es – stehen wir zu unserem Christsein, stehen wir dazu, dass wir Christus nachfolgen.

Ich sehe es – setzen wir uns ein für das Evangelium, denn das Evangelium ist das Beste, was diese Welt zu bieten hat.

Ich glaube – Verstecken wir uns nicht, haben wir Mut, stehen wir dazu, dass wir Christus als die Mitte unseres Leben haben.

Werden wir zu dem, was wir sind: zu denen, die vom Licht Christi erfüllt sind.

Amen.

 

 

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