Quelle und Höhepunkt

Respekt vor der Überzeugung des Anderen hilft, friedlich miteinander umzugehen. Eine Betrachtung zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris.

Im Rheinland lebt eine Familie, mit der ich mich sehr verbunden fühle. Wir verstanden uns von Anfang an sehr gut une wir sind Freunde geworden.

Wir respektieren einander, wir schätzen einander, wir hören einander zu, wir lernen voneinander.

Es gibt einen Unterschied zwischen uns, der aber nicht stört, sondern uns eher neugieriger aufeinander macht: Wir gehören verschiedenen Religionen an. Ich bin Christ, und sie sind Moslems.

Man müsste gar nicht darüber reden, es ist einfach eine Freundschaft, die gut tut.

Ich denke aber, dass diese Freundschaft einen Gegenpol darstellt zu vielem, was wir in der Welt erleben.

Gestern war die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris. Das sind die Spiele, die seit jeher ein Zeichen des Friedens, des Respekts, der Anerkennung von unterschiedlichen Lebensentwürfen und der Versöhnung sein sollen und oft auch waren. Es werden großartige Leistungen erwartet; unzählige Nationen begegnen sich, es wird ein fantastisches Fest werden.

Die Eröffnungsfeier fand auf der Seine statt, und es sind durchaus beeindruckende Bilder. Über eine Darstellung aber gibt es nun ziemlich viel Aufregung. Und das ist eine Szene, die offensichtlich mit Drag-Queens dargestellt wurde, also als Frauen verkleidete Männer, die das berühmte Bild von Leonardo Da Vinci „Das Abendmahl“ interpretierten. Und diese Parodie dessen, was uns heilig ist, nämlich die Eucharistiefeier, wird nun vielfältig kritisiert.

Die Eucharistiefeier ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, wie es das Zweite Vatikanische Konzil betont. Unsere Kirche ist nicht denkbar ohne die Feier der Heiligen Messe, in der wir die Hingabe Christi am Kreuz feiern und seinen Leib und sein Blut empfangen.

Was uns heilig ist, sollte von allen respektiert werden, auch wenn man nicht daran glauben kann. Die Feier der Heiligen Messe sollte daher mit Respekt behandelt werden, auch in der Kunst. Der Organisationschef Tony Estanguet betonte, die Show habe zum Nachdenken anregen wollen und sprach von Kunst- und Meinungsfreiheit.

Und tatsächlich ist die Freiheit der Kunst und die Meinungsfreiheit ein sehr hohes Gut. Die Meinungsfreiheit ist eine Grundlage der Demokratie.

Gleichzeitig aber gibt es Grenzen der Meinungsfreiheit – zum Beispiel gibt es das Recht auf Schutz vor Beleidigungen. Viele Katholiken fühlen sich beleidigt, fühlen sich verletzt. Und diese Stimmen müssen gehört und auch diskutiert werden.

Die queere Szene wollte provozieren, und das haben sie geschafft, und das feiern sie jetzt auch. Sie haben aber faktisch beleidigt und verletzt – ob sie das zugeben werden?

Ich denke an meine Freundschaft mit der muslimischen Familie im Rheinland. Auch wenn man verschiedener Meinung ist, auch wenn man einen unterschiedlichen Weg zu Gott hat, kann man respektvoll, freundschaftlich und friedlich miteinander umgehen.

Auch wenn wir komplett verschiedener, ja gegensätzlicher Ansicht wären, wie das Leben zu funktionieren hat, könnten wir doch einander respektieren. Auch in einer Freundschaft darf man und soll man sich auseinandersetzen. Es hilft allen weiter.

Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus: „Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens“. (vgl. Eph 4,1-6)

Genau. Verletzungen und Beleidigungen sind eben kein Mittel, um im Gespräch zu bleiben.

Feiern wir das, was uns heilig ist und beten wir für alle, die das anders sehen.

Alle Gute und einen friedlichen Tag

Euer Diakon Edgar

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