L’amitié qui prépare le chemin – deutsche Fassung

Die Predigt wurde auf französisch gehalten, hier nun die deutsche Übersetzung.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

die deutsch-französische Freundschaft hat für mein Leben eine besondere Bedeutung. Mit zehn Jahren begann ich, Französisch zu lernen – es war meine erste Fremdsprache. Vor allem war es die Erfahrung, eine Sprache Schritt für Schritt zu lernen und immer besser zu verstehen. Im Laufe der Jahre ist daraus für mich eine echte Liebesgeschichte geworden.

Und genau das scheint mir auch wichtig für die Botschaft des Evangeliums an diesem Abend zu sein.

In dieser besonderen Zeit des Advents versammeln wir uns, um über das Leben Johannes des Täufers und seine tiefe Beziehung zu Jesus Christus nachzudenken. Als Wegbereiter des Messias spielte Johannes eine entscheidende Rolle dabei, die Herzen auf das Kommen des Herrn vorzubereiten.

Und auch wenn Johannes für uns den Weg zu Jesus bereitet hat, war es für ihn selbst ebenfalls ein Weg der Entwicklung. Ein Weg, auf dem er auf Christus zuging – ein Weg wachsender Liebe.

Ich möchte diese Beziehung zwischen Johannes und Jesus mit der Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland vergleichen. Sie ist ein Beispiel dafür, wie notwendig es ist, Brücken zu bauen und die Einheit zu fördern – trotz aller Unterschiede. Die deutsch-französische Freundschaft zeigt uns den Wert von Versöhnung und Zusammenarbeit – Prinzipien, die auch im Leben Johannes des Täufers sichtbar werden.

Johannes verkündete eine Botschaft der Umkehr. Er rief die Menschen auf, sich von der Sünde abzuwenden und sich Gott zuzuwenden. Ebenso erforderte die deutsch-französische Versöhnung nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs das Loslassen von Ressentiments und die Bereitschaft zum Verzeihen. Liebe und gegenseitiges Verständnis haben die Trennungen der Vergangenheit überwunden und eine Freundschaft entstehen lassen, die bis heute wächst.

Das Leben Johannes war von großer Demut geprägt. Trotz seiner bedeutenden Aufgabe sagte er:
„Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“

Diese Haltung spiegelt sich auch in der deutsch-französischen Beziehung wider: Beide Nationen haben gelernt, die Stärke des anderen anzuerkennen und eigene Vorurteile zurückzustellen.

So wie Johannes Jesus als das Lamm Gottes erkannt hat, haben Frankreich und Deutschland erkannt, dass dauerhafter Frieden und Freundschaft möglich sind, wenn man den Wert der jeweils anderen Kultur und ihren Beitrag zur europäischen Geschichte anerkennt. Das ist ein Aufruf zu Solidarität und gegenseitigem Verständnis, der bis heute aktuell ist.

Der Advent ist auch eine Zeit der Erwartung und der Hoffnung. Johannes der Täufer war der Zeuge des kommenden Messias. Ebenso haben Frankreich und Deutschland Hand in Hand an einer gemeinsamen Zukunft gearbeitet – in der Hoffnung auf ein geeintes und friedliches Europa. Diese Zusammenarbeit ist bis heute ein Vorbild für andere Nationen, die Unterschiede überwinden und zum Wohl aller zusammenarbeiten wollen.

Die Worte Johannes sprechen auch heute noch zu uns. Sie erinnern uns daran, dass Demut, Umkehr und Vorbereitung wesentliche Elemente unseres geistlichen Weges sind. Und ebenso zeigt uns die deutsch-französische Freundschaft, dass gegenseitiges Verständnis, Respekt und Zusammenarbeit die Grundlage für einen dauerhaften Frieden bilden.

Liebe Schwestern und Brüder, lassen wir uns davon inspirieren: Bereiten wir unsere Herzen darauf vor, das Licht Christi aufzunehmen, und bauen wir in unserem eigenen Leben Brücken der Freundschaft und des Verständnisses.

Möge der Advent eine Zeit der tiefen Besinnung und Vorbereitung sein – geistlich und menschlich –, damit unsere Herzen bereit sind, die Gnade von Weihnachten zu empfangen.

Amen.

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