Predigt zum Ferienbeginn 02.07.2023
Wir brechen auf – das ist ein deutscher Begriff dafür, dass wir uns an einen
anderen Ort begeben, dass wir unter Umständen weite Strecken zurücklegen.
Es gibt am heutigen Sonntag aber gleich zwei Arten aufzubrechen:
Die einen brechen auf, um in Urlaub zu fahren. Sie verbringen ihren Urlaub in
Korea oder sie verlassen Korea, um zum Beispiel ein paar Wochen in
Deutschland zu verbringen und anschließend wieder nach Korea
zurückzukehren.
Die anderen verlassen ebenfalls Korea, werden aber in einem anderen Land für
einige Zeit, vielleicht ein paar Jahre, Wohnung und Heimat finden und kehren
meistens nicht mehr nach Korea zurück, zumindest nicht nach ein paar
Wochen.
Wohin brechen wir auf, wenn wir aufbrechen?
Natürlich kennt jeder das eigene Ziel. Es ist klar, wohin die Umzugskisten
geschickt werden und auch das Urlaubsgepäck wird zielgerichtet am Flughafen
aufgegeben.
Wenn wir aber mal versuchen, ganz still zu werden, ohne Handy in der Hand
und ohne Kopfhörer auf den Ohren, dann kommen wir vielleicht darauf, dass es
neben dem Aufbrechen in den Urlaub und dem Aufbrechen in ein neues
Zuhause noch ein drittes Aufbrechen gibt. Das Aufbrechen nämlich zu mir
selbst.
Ich kann davon ein Lied singen. Es kommt einfach so oft zu kurz, dieses Sich-
wirklich-Zeit-für-die-eigene-Seele-nehmen. Und da ich mir da selber an die
Nase fassen muss, hab ich für Juli eine Woche Exerzitien in einem
süddeutschen Kloster gebucht. Eine Woche für mich, um zur Ruhe zu kommen,
um mich mal zu sortieren. Im Schweigen. Und im Beten. Und im Gottesdienst.
Und im Gespräch mit der Ordensschwester, die mich und zwei andere Diakone
begleiten wird. Im Genießen der Natur an einem wunderschönen See.
Wenn ich mir Zeit nehme, zu mir zu kommen, dann werde ich auch freier. Ich
schaue auf mich und lege ab, was ich an Pflichten und Herausforderungen im
Alltag hab. Und wenn ich dann merke, dass ich freier werde, dann gibt es mehr
Platz für den, auf den es nun wirklich ankommt. Das ist Gott. Gott will, dass es
mir gut geht. Nicht nur im Urlaub. Aber im Urlaub zu spüren, dass Gott da ist,
das ist sehr erfüllend.
Wohin auch immer ihr geht – ob es ein Urlaub ist, der euch wieder zurück nach
Korea führt, oder ob ihr ganz aus Korea weggeht – nehmt euch Zeit für euch
und Zeit für Gott. Zeit für eure Familie und Zeit für Gott. Zeit für eure Hobbys
und Zeit für Gott.
Dann spürt ihr, dass Ihr gesegnet seid. Segen heißt: Gott ist da. Er ist nahe. Gott
hat ein gutes Wort für dich. Er will nur Gutes für dich.
Nutzen wir den Aufbruch, der jetzt ansteht, um zu uns und zu Gott zu finden.
Und wenn das nicht gelingt? Wenn ich Gott nicht finde? Dann ist es gut, wenn
ich frei bin für ihn. Und er wird mich finden.
Amen.