In Ängsten die einen, und die anderen leben.
Und die anderen leben, und sie leben nicht schlecht.
In Hunger die einen und wir anderen leben
Und wir anderen leben, die im Hunger leben schlecht.
Kyrie, Kyrie eleison, Herr, guter Gott, erbarme dich!
Dieses Lied passt ganz gut auf mein Erlebnis gestern, Samstag, in Nairobi.
Zu wissen, dass es in Nairobi fünf große Slums gibt, darunter Mukuru, mit mindestens 1 Million Bewohner, ist das eine.
Das andere: Dort zu sein.
Pater Patrick nahm uns mit auf die Reise. Das eigentliche Ziel war sein Elternhaus, etwa 4 Autostunden östlich von Nairobi. Auf dem Weg lag Mukuru. Dort arbeitet er jedes zweite Wochenende. Der Kardinal von Nairobi hat Patricks Orden die Pfarrei anvertraut, die genau Mukuru umfasst. Das heißt: Zuständigkeit für 1 Million Menschen. Natürlich nicht alle katholisch. Aber das ist ja auch keine Frage für die Ordensleute, wenn es darum geht, Menschen in Not zu helfen.
Meinen Fotoapparat hatte ich im dortigen Pfarrhaus gelassen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dort als fotografierender Tourist aufzutauchen.
Mein Gefühl war richtig.
Das Pfarrhaus grenzt an eine Mauer, in der eine Metalltür eigelassen ist. Öffnet man diese, steht man direkt im Slum. Der Boden dort ist aber 80 cm höher, man muss also klettern.
Mir war vorher im Pfarrgarten aufgefallen, dass unzählige Fliegen dort waren. Erklären konnte ich mir das zunächst nicht.
Aber dann schon. Wir standen nämlich mit Durchklettern der Tür
im Müll.
Im Gestank.
Im Lärm.
Unter unabsehbar vielen Menschen.
Die ersten Schritte gingen noch. Wir kamen zu einem freien Feld, auf dem Fußball gespielt wurde. Dort war die Luft etwas besser. Aber dann gingen wir durch ein Tor und kamen auf einen Weg, an dem Wellblechhütte an Wellblechhütte stand. Und wir sind durch Berge von Müll und – aufgrund komplett fehlender Kanalisation – auch durch Exkremente gelaufen. Dazu kamen die kleinen Feuer, in denen vor allem Plastik verbrannt wird, und dann noch die große Hitze… Das war einfach zu viel.
Ich hab schon viel gesehen und auch gerochen. Messiwohnungen, in denen ich im Einsatz war, haben mich schon nachhaltig geprägt.
Aber hier war eine Grenze, nämlich meine, deutlich überschritten. Ich musste mich übergeben und wir haben unsere Besichtigung abgebrochen. Danach war ich eine Zeit lang zu nichts zu gebrauchen.
Es ist gut zu wissen, dass der Orden der Spirituaner hier hilft. Verschiedene Projekte, z.B. Kooperation mit den Kliniken, laufen sehr gut.
Es ist auch gut zu hören, dass immer wieder Menschen den Weg aus dem Elend schaffen, weil sie es wirklich wollen.
Die allermeisten dort aber wollen und werden nichts ändern an ihrer Situation. Viele gehen arbeiten und verdienen etwa 1 Euro am Tag. Damit sind sie irgendwie zufrieden. Sie kennen es nicht anders.
Ich bin da am falschen Platz.
