Predigt am 3. Fastensonntag A 2008
Die Frau irrte.
Sie hatte zu Jesus gesagt:
„Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.“
Die Frau dachte ganz pragmatisch. Wenn sie keinen Durst mehr bekommt, dann braucht sie auch nicht mehr den anstrengenden Weg zum Brunnen zu gehen, braucht kein Wasser mehr zu schleppen.
„Herr, gib mir dieses Wasser.“
Einmal gegeben, und fertig. Wenn die Trinkschale einmal voll ist, dann wird das schon reichen.
Und alle Probleme sind verschwunden.
Als ob es so einfach wäre.
Der Irrtum der Frau ist einer, dem viele Menschen unterliegen.
Ein Irrtum, der das Leben sehr schwer macht – obwohl man es sich eigentlich gar nicht so richtig eingesteht. Und es sind vor allem Christen und Christinnen, die sich das Leben deswegen so schwer machen.
Der Irrtum lautet:
Wenn ich nur ab und zu Kontakt mit Gott habe, wenn ich mir ab und zu Gedanken mache über die Kirche oder über meine Beziehung zu Gott – das wird schon reichen.
Es wird schon reichen – Mein Bemühen um Gott
Sie wird schon reichen – meine Beziehung zu Gott.
Aber auch bei uns, die wir Sonntag für Sonntag in die Kirche gehen, gibt es diesen Irrtum. Natürlich: Wir haben die Sonntagspflicht. Es wird von einem guten Katholiken erwartet, in die Kirche zu gehen. Das reicht doch für meine Gottesbeziehung, oder? Das reicht doch, um Christ zu sein, nicht wahr?
Sonntag für Sonntag in die Kirche zu gehen, und in der Kirche in Wort und Sakrament Jesus Christus zu begegnen, das ist das Fundament des Christseins überhaupt.
Das ist die Begründung des Christseins, und diese Begründung drückt sich in der Sendung am Ende des Gottesdienstes aus, in den Worten des Segens und in den Worten der Entlassung: Gehet hin Frieden.
Und durch die Begegnung mit Jesus Christus werden wir gesendet, hinein in unsere Welt, hinein in unseren Alltag. Wir sollen als Christin und als Christ Jesus Christus in der Welt zu Wort kommen lassen.
Da bedarf es gar keiner so genannten Sonntagspflicht. Die Heilige Messe ist eine Quelle aus der wir schöpfen können, immer wieder neu.
Es ist gut, hier zu sein, und es ist gut, danach wieder in den Alltag zurückzugehen, um das, was wir hier erfahren, im Leben zu erfüllen.
Die Frau irrte, weil sie meinte, dass es im Grunde reichen würde, ihre Schale einmal mit diesem Wasser des Lebens zu füllen, und ein einziges Mal dieses Wasser des Lebens zu trinken.
Das Wasser des Lebens zu trinken können wir hier auch ganz einfach übersetzen mit: Gott zu begegnen.
Jesus meint aber hier nicht, dass ein einmaliges Trinken des lebendigen Wassers, also eine einmalige Gottesbegegnung, ausreicht, und dass wir danach nichts mehr tun müssen, dass wir danach den lieben Gott einen guten Mann sein lassen dürfen.
Vielmehr geht er davon aus, dass so eine Gottesbegegnung den Menschen verändert, ihn einlädt zum Umdenken und zum weiter denken – und vor allem ihn dazu bewegt, sich immer wieder neu Gott zuzuwenden, jeden Tag neu.
Keinen Durst mehr zu haben nach dem Trinken des lebendigen Wassers heißt also letztlich: In mir wächst ein großes, ein unbegrenztes Vertrauen zu diesem Gott, der sich mir als lebendiges Wasser schenken will.
Und wenn ich das lebendige Wasser immer wieder trinke, dann wächst dieses Vertrauen weiter.
Und wenn ich es zulasse, dass Gott in mir wirkt, dann verändert sich mein ganzes Leben. Dann fange ich an, dauerhaft meine Beziehung zu Gott wirklich zu pflegen.
Dann wachse ich innerlich, und dann passiert das, was Jesus da zu jener Frau sagte: „das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt“.
Wenn wir uns auf diese Weise Gott anvertrauen, dann können wir selbst dafür sorgen, dass dieses Wasser nicht versiegt, dieses Wasser, das ewiges Leben schenkt.
Und dann sind wir nicht wie eine Schale, die immer gleich viel Wasser enthält, dann sind wir wie ein überfließender Brunnen. Dann werden wir zu Christinnen und Christen, bei denen die Beziehung zu Jesus Christus für andere Menschen spürbar ist. Amen.