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Neuer Blick

Neuer Blick
Die Christenheit, davon darf man ausgehen, versucht, möglichst nahe am Auftrag Jesu zu sein und das Leben danach auszurichten. Auch wenn wir alle immer wieder versagen bei Themen wie zum Beispiel der radikalen Nächstenliebe ist es doch Konsens, dass sie zum Kern unserer Nachfolge gehört.

Ganz anders ist es bei einem anderen Wort des Herrn: “Alle sollen eins sein” (Joh 17,21) – das ist wohl einer der Wünsche Jesu, den die Christenheit ganz und gar nicht erfüllt hat. Wir sind gespalten in einige große und unzählige kleine Kirchen und Konfessionen weltweit. Da wird viel gestritten über Dogmatik, Bibelauslegung und die richtige Liturgie. Ich finde das grundsätzlich gut: So bleiben wir nämlich im Gespräch und können kontinuierlich suchen nach Gemeinsamkeiten.

Die Geister scheiden sich aber offensichtlich extrem bei Maria aus Nazareth. Unstrittig ist, dass sie Jesus Christus geboren hat. Aber die Frage, was sie nun für den ganz konkreten Glauben bedeutet, sorgt für schier unversöhnliche Positionen. Hier in Korea gibt es einige Vertreter der presbyteranischen Kirche, die auf extreme Weise die katholische Kirche abwerten bzw. ihr gar das Christsein absprechen, weil die Katholiken ja “Maria anbeten”. Dass das gar nicht wahr ist, wird dabei gerne und bewusst verschwiegen. Denn an ihren Universitäten wird das nicht gelehrt.

Wir Katholiken beten Maria nicht an. Anbetung gebührt alleine Gott. Maria hat zwar den Sohn Gottes zur Welt gebracht, ist aber selbst keine Göttin.

Dabei ist der Blick auf Maria sehr hilfreich bei der Frage, wie wir denn Gottes Willen in der Welt entdecken können. Seine Entscheidung, zur Welt zu kommen, Mensch zu werden, hilft uns dabei. Maria hat auf Gott gehört und Ja gesagt zu seinem Willen. Sie hat auch dann vertraut, als sie nicht alles verstanden hat. Und sie hat Gottes Willen in ihrem Leben Wirklichkeit werden lassen.

Damit ist sie uns ein wichtiges Vorbild geworden und könnte es auch für andere Konfessionen sein. Dieses Vorbild ist uns so wichtig, dass wir von Verehrung sprechen, wenn wir an sie denken und sie um ihre Fürsprache bitten. Das ist etwas, das uns näher an Gottes Willen bringt. Und wenn wir es ernst nehmen, dass durch Maria der Erlöser in die Welt gekommen ist, dann ist es legitim und nachvollziehbar, anzunehmen, dass Gottes Blick auf sie nicht mit der Geburt Jesu geendet hat. Ihr ganzes Leben stand unter seinem besonders liebevollen Blick, sogar über ihren Tod hinaus. Und das feiern wir am 15. August: Gottes Liebe ist so groß, dass er nicht nur Marias Seele in den Himmel aufgenommen hat, sondern auch ihren Leib.

Wir sollten das ein bisschen einüben: Etwas vom Blick Gottes auf Maria zu übernehmen.

Anfangen können wir so: Wir können sie als die Mutter Jesu sehen. Und Mütter verdienen besonderen Respekt. Schutz. Liebe. Zuneigung. Anerkennung. Wertschätzung. Dankbarkeit. Und wenn wir all das zusammen sehen, dann ist es kein so großer Schritt mehr zu der Verehrung, die der Gottesmutter sicher zukommen darf.

Ich finde: So einen neuen Blick auszuprobieren, das lohnt sich.

 

 

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