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Ein hörendes Herz

Predigt am 26.07.2026 in Seoul zu 1 Kön 3,5.7-12

Kein Mensch hat das Recht, sich über andere erhaben zu fühlen. Niemand ist etwas Besseres, ist wertvoller als sein Nachbar, seine Nachbarin. Der Europäer ist nicht besser als der Koreaner, und der Koreaner ist nicht besser als der Philippine.

Männer sind nicht besser als Frauen und Erwachsene nicht besser als Kinder und Professoren nicht wichtiger als ein Arbeiter auf dem Reisfeld.

Die sehr reichen Familien, 재벌 (Jaebeol) sind nicht kostbarer als die Obdachlosen an den Bahnhöfen in Seoul, und die Präsidenten dieser Welt nicht mehr wert als die Armen auf den Straßen.

Damit könnte ich meine Predigt auch gleich wieder beenden, denn es ist alles gesagt.
Naja, es wäre alles gesagt, wenn das alles common sense wäre.

Aber so ist es nicht. Überall auf der Welt gibt es Abgrenzung und Verachtung, die Ultra-Reichen setzen so oft ihr Geld ein, um immer noch reicher zu werden, statt ihrer Verantwortung gerecht zu werden und dem Gemeinwohl zu dienen, und immer mehr Politiker treiben die Welt mit ihren wüsten Phantasien in Aufrüstung und sozialen Abbau, in Krieg und Leid, in Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit.

Da könnte man sich ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen und so tun, als gäbe es das alles nicht.

Man könnte immer wegschauen, nur sein eigenes Ding machen und sagen: „Das geht mich ja alles nichts an.“

Nur – so ist es nicht und so darf es auch nicht sein. Gerade angesichts der vielen Krisen in der Welt dürfen wir nicht eine Vogel-Strauß-Politik machen und den Kopf in den Sand stecken.

Wir sind getauft auf den Dreifaltigen Gott. Wer getauft ist, hat viele Rechte. Wir gehören zu Gott, zu Jesus Christus, zum Heiligen Geist, und uns ist das ewige Leben versprochen. Aus dieser Hoffnung leben wir.

Mit der Taufe verbinden sich aber auch Pflichten. Die wichtigste und größte Pflicht ist die, auf das Wort Gottes zu hören und es lebendig zu machen und lebendig zu halten. Dazu gehört direkt, dass wir Jesus, dem Sohn Gottes, in seinem Wort folgen.

Das Wort Gottes hilft uns, seinen Willen zu erkennen. Der Wille Gottes will dabei stets neu entdeckt werden, er ist nicht ein für alle Mal festgeschrieben. Gott lebt, und er schenkt uns immer wieder neue Impulse für unser Leben.

Aber eben nicht nur für unser eigenes Leben. Es geht um die ganze Schöpfung. Es geht um den Frieden in der Welt. Es geht um Gerechtigkeit unter den Menschen. Es geht darum, dass wir alle ein Leben haben, das beschützt ist vor jeder Gefahr.

Daran mitzuarbeiten sind wir alle berufen.

Im Ersten Buch der Könige geht es heute um den jungen König Salomo, der sich an Gott wendet und ihn bittet, ihm ein hörendes Herz zu schenken.

Gott erfüllt ihm diese Bitte. Denn Salomo möchte lernen, Gut und Böse zu unterscheiden.

Das ist der Schlüssel für den Frieden in der Welt. Gott hat von Anfang an dafür gesorgt, dass wir das können: zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Und das zieht sich durch die ganze Bibel:

* Im Buch Genesis, bei Adam und Eva, wenn es um den Baum der Erkenntnis geht.
* Im Hebräerbrief, der sagt, dass geistliches Urteilsvermögen durch Übung und Reife wächst.

* Im 1. Thessalonicherbrief sagt Paulus, dass man alles prüfen und das Gute behalten soll.

Und das ist jetzt nur eine Auswahl, wir könnten weitermachen mit dem Römerbrief und dem Buch Micha.

Wir haben diese Fähigkeit, das Gute zu erkennen und das Böse zu meiden. Wir alle.

Und Gott hat uns allen ein hörendes Herz geschenkt als wunderbares Hilfsmittel dazu.

Nutzen wir dieses Hilfsmittel.

Seien wir barmherzig denen gegenüber, die uns schaden wollen, aber lernen wir, uns abzugrenzen.

Üben wir uns darin, selber das Gute zu tun, jeden einzelnen Tag und jede einzelne Stunde.

Bedenken wir unsere eigenen Vorurteile anderen Menschen gegenüber.

Und seien wir tolerant im eigentlichen Sinn: Denn Toleranz heißt, dass ich meine eigene Position kenne, dass ich weiß auf welchem Fundament ich stehe, dass ich verwurzelt in meiner Religion bin und bleibe. Wenn das gegeben ist, können wir gut die Position anderer zur Kenntnis nehmen. Wir müssen sie nicht gut finden, und manchmal müssen wir sie auch klar zurückweisen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass dieser andere Mensch ebenfalls Gottes Geschöpf ist. Und vielleicht kann ich ja mithelfen, dass er sein eigenes hörendes Herz wiederentdeckt.

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