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Zwei Herzen

Predigt am 26.10.2025 zu Lk 18,9–14:

Schaut mal her: ich habe heute zwei Herzen mitgebracht.
Ein großes rotes Herz und ein kleineres graues Herz.

Beide stehen für Menschen. Denn jeder Mensch – wirklich jeder – hat ein Herz.
Aber manchmal sagen wir: „Der hat ja gar kein Herz!“ Oder: „Die ist eiskalt!“

Wir meinen dann: Dieser Mensch wirkt hart, berechnend oder ohne Mitgefühl.
Aber: Hand aufs Herz! Kein Baby auf dieser Welt kommt so auf die Welt.
Kein Kind wird geboren mit einem kalten, grauen Herz.

Alle Babys – auch ihr, als ihr klein wart – haben ein weiches, offenes Herz,
das lächeln kann, das trösten kann, das Nähe sucht.
Also: Das graue Herz entsteht nicht einfach so. Irgendetwas prägt uns im Leben.
Und – das ist die gute Nachricht – wir können selbst mitbestimmen, wie unser Herz wird.

Jeden Tag treffen wir kleine Entscheidungen: Ob wir jemandem helfen oder lieber wegschauen.
Ob wir teilen oder alles für uns behalten. Ob wir ehrlich sind oder uns wichtigmachen wollen.

All das – jede kleine Entscheidung – macht unser Herz ein bisschen größer oder ein bisschen kleiner,
ein bisschen wärmer oder ein bisschen kälter.

Das Herz ist ja ein Muskel, sonst könnte es ja gar nicht schlagen. Wenn wir es gut gebrauchen, wird es stark und weit.
Wenn wir es vergessen, wird es schwach und grau.

Im Evangelium stehen heute auch zwei Menschen vor Gott: Ein Pharisäer und ein Zöllner.

Der Pharisäer war eigentlich ein kluger und frommer Mensch. Er hat viel über Gott gelernt und wollte alles richtig machen.
Das ist doch gut! Aber sein Herz war ein bisschen zu stolz. Er dachte: „Ich bin besser als die anderen.“
Und wenn man so denkt, dann wird das Herz enger, kälter, grauer.

Der Zöllner war auch kein Engel. Er hat viele Menschen betrogen und zu viel Geld verlangt.
Aber in diesem Moment im Tempel war er ehrlich. Er sagte: „Gott, ich brauche dich. Ich hab Fehler gemacht. Sei mir gnädig.“
Und dieses ehrliche, offene Wort machte sein Herz weit und warm – so wie das rote hier.

Jesus sagt uns heute: Es geht nicht darum, ob jemand Pharisäer oder Zöllner ist.
Nicht um Berufe, nicht um Etiketten. Sondern: Wie steht’s um dein Herz?
Wie gehst du mit dir selbst um, und wie mit den anderen Menschen?

Vor Gott zählen nicht die klugen Worte, sondern das Herz, das dahinter schlägt.
Ein Herz, das ehrlich ist, das dankbar sein kann, das Fehler zugibt und trotzdem weiter vertraut.

Vielleicht denkt ihr Kinder jetzt: „Aber ich bin doch noch klein – mein Herz ist doch sowieso gut!“
Und das stimmt meistens. Kinder haben oft das größte Herz von allen.
Aber auch ihr merkt manchmal, dass das Herz kleiner werden kann: Wenn man streitet, wenn man ärgert, wenn man denkt: „Ich will das Beste für mich allein.“

Dann ist es gut, sich an das rote Herz zu erinnern – und wieder zu fragen:
„Wie kann ich mein Herz warmhalten?“ Ein Lächeln, ein Danke, ein Entschuldigung – mehr braucht es gar nicht.

Und für die Erwachsenen gilt dasselbe. Denn auch große Menschen müssen immer wieder auf ihr Herz aufpassen.
Manchmal sogar noch mehr als Kinder.

Gott schaut nicht darauf, wie laut oder schön wir beten. Er schaut auf unser Herz.
Und er freut sich über jedes Herz, das ehrlich, liebevoll und offen bleibt.

Das graue Herz erinnert uns daran, dass wir immer wieder aufpassen müssen.
Und das rote Herz zeigt, dass Gottes Liebe in uns brennt – wenn wir sie zulassen.

Wir wollen beten:

Lieber Gott,
du kennst mein Herz.
Mach es weich und warm.
Hilf mir, freundlich zu sein,
ehrlich und mutig.
Wenn mein Herz klein wird,
dann öffne es wieder mit deiner Liebe.
Amen.

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