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Zwischen Schutz und Frieden

Predigt am 21.09.2025 zu 1 Tim 2,1-2

Liebe Schwestern und Brüder,

stellen wir uns einmal vor, heute würde hier nicht ich stehen, sondern ein General der Bundeswehr – ein Mensch, dem sein katholischer Glaube wichtig ist. Vielleicht würde er uns erzählen, dass er in einer doppelten Berufung lebt.

Einerseits trägt er Verantwortung für die Sicherheit seines Landes und seiner Verbündeten, für Strategien der Verteidigung, für die Vorbereitung auf Krisen. Andererseits ist er Christ. Ein Mensch, der das Evangelium Jesu im Herzen trägt – die Botschaft vom Frieden, von der Feindesliebe, von dem Gott, der will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.

Diese doppelte Berufung bringt ihn immer wieder an eine innere Grenze. Wenn militärische Spannungen zunehmen, wenn Lufträume verletzt werden, wenn Menschen sich bedroht fühlen, dann weiß er: Frieden ist zerbrechlich. Grenzen sind verletzlich. Schutzlosigkeit wäre ein Verrat an den Schwachen. Deshalb ist Verteidigung notwendig. Verteidigung kann ein Dienst am Frieden sein.

Aber zugleich hört er die neue Sprache, die sich in unserer Gesellschaft ausbreitet. Immer öfter ist nicht nur von Verteidigungsfähigkeit die Rede, sondern von Kriegstüchtigkeit. Für einen Militär sind Worte nicht nebensächlich. Worte zeigen, wie wir denken. Verteidigung bedeutet: das Eigene schützen. Kriegstüchtigkeit dagegen bedeutet: bereit sein, in die Logik der Eskalation einzutreten.

Und vielleicht würde er sagen: Hier verläuft eine Grenze – eine Grenze, die auch das Evangelium zieht.

Er würde uns an die Worte des ersten Timotheusbriefes erinnern:
Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf – für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können.

Für ihn bedeutet das: beten für die politischen Entscheidungsträger. Beten für die eigenen Kameradinnen und Kameraden, dass sie innerlich nicht verrohen. Und sogar beten für diejenigen, die als Gegner erscheinen. Denn auch sie sind Menschen, die Gott retten will.

Ein solcher General weiß: Wir müssen uns verteidigen können. Alles andere wäre naiv. Aber er weiß auch: Jesus will keine Eskalation. Wehrhaftigkeit – ja. Kriegstüchtigkeit – nein.

Diese Haltung gilt nicht nur auf internationaler Ebene. Sie betrifft auch unseren Alltag. Denn wir erleben, wie schnell Hass wächst: gegen andere Nationen, gegen politische Gegner, gegen Minderheiten – und oft auch im persönlichen Miteinander.

Wer im Geist des Evangeliums wehrhaft bleibt, ohne zu eskalieren, setzt ein wichtiges Zeichen. Er zeigt: Man kann klar sein, ohne von Hass erfüllt zu sein. Man kann Grenzen setzen, ohne Menschen zu entwürdigen.

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn hier ein gläubiger General stehen würde, könnte er vielleicht sagen:
„Ich bin Soldat, aber zuerst bin ich Christ. Mein Herr ist nicht der Geist der Gewalt, sondern der Gott des Friedens. Ich will mein Land schützen, aber keinen Hass nähren. Ich will Sicherheit, aber ohne die Logik der Eskalation. Ich wünsche mir die Ruhe und den Frieden, von denen Paulus spricht – für meine Kinder und für die kommenden Generationen. Und ich möchte durch mein Leben und mein Gebet ein Zeichen der Versöhnung setzen.“

Und er würde uns einladen, dasselbe zu tun: Fürbitte zu halten für die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft. Zu beten für die Opfer von Gewalt. Zu beten für Soldatinnen und Soldaten – auf allen Seiten. Und zugleich dem Hass im eigenen Alltag zu widerstehen.

Damit wir nicht in den Strudel der Eskalation hineingezogen werden, sondern wachsen in den Frieden Gottes.

Amen.

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