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Ein tragfähiges Fundament

Predigt am 15.12.2024

 

Liebe Schwestern und Brüder,

„Was also sollen wir tun?“ – Diese Frage passt auf viele Lebensbereiche. Sie stellt sich dort, wo wir in einer Krise sind, wo wir ratlos sind oder wo wir eine zweite oder dritte Meinung brauchen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Diese Frage wird auch Johannes dem Täufer gestellt. Johannes ist mir persönlich sehr vertraut und nahe, weil mein Zweitname Johannes ist. Ich bin nach Johannes dem Täufer benannt und habe mir im Laufe meines Lebens immer wieder Gedanken darüber gemacht, was es bedeutet, diesen Namen zu tragen.

Wenn man in den Text hineinschaut und sieht, welche Antworten Johannes gibt, dann zeigen sich grundlegende Antworten – auch für das Leben der Kirche.

Zunächst fragen ihn die Menschen ganz allgemein: „Was sollen wir tun? Wie sollen wir leben?“ Johannes antwortet: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat. Und wer zu essen hat, der handle ebenso.“ Das ist Diakonie, der Dienst am Nächsten. Es geht darum, die Not der Menschen wahrzunehmen. Und dabei geht es nicht darum, aus einem übervollen Kleiderschrank etwas auszusortieren, sondern existenziell zu teilen – von dem, was man selbst braucht. Diese Haltung der Solidarität ist ein grundlegender Pfeiler christlichen Lebens.

Dann kommen die Zöllner. Sie stehen in schlechtem Ruf, weil sie die Menschen ausgebeutet und sich bereichert haben. Auch sie fragen: „Meister, was sollen wir tun?“ Johannes antwortet: „Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.“ Haltet euch an das Recht. Diese Aufforderung geschieht im Zusammenhang mit der Taufe, also im Rahmen eines Gottesdienstes. Damit wird eine zweite Säule deutlich: die Liturgie, das gemeinsame Gebet und der Gottesdienst – verbunden mit der Verantwortung für gerechtes Handeln im gesellschaftlichen Leben.

Das Nachdenken über Recht und Verantwortung ist auch heute aktuell. Demokratie, Verfassung und staatliche Ordnung verdienen Achtung. Als Kirche haben wir die Aufgabe, für Staat und Gesellschaft zu beten und Verantwortung im öffentlichen Leben mitzutragen.

Dann kommen die Soldaten. Auch sie fragen: „Was sollen wir tun?“ Johannes sagt: „Misshandelt niemand, erpresst niemand und begnügt euch mit eurem Sold.“ Hier geht es um einen respektvollen Umgang miteinander. Gewalt, Machtmissbrauch oder Erniedrigung haben keinen Platz. Damit wird eine dritte Säule sichtbar: Gemeinschaft – Koinonia. Auf Augenhöhe miteinander leben, einander achten und Verantwortung füreinander übernehmen.

Neben Diakonie, Liturgie und Gemeinschaft fehlt noch eine vierte Säule: die Verkündigung, das Zeugnis. Die Menschen fragen sich: Ist Johannes vielleicht der Messias? Johannes stellt klar, wer er ist – und wer er nicht ist. Er weist auf den hin, der kommen wird: auf Jesus Christus. Dieses Zeugnis, dieses Bekenntnis, gehört zum Kern unseres Glaubens.

Vier Säulen also: Diakonie, Liturgie, Gemeinschaft und Verkündigung.

Gerade heute, am Gaudete-Sonntag, am Sonntag der Freude, müssen wir uns nicht einbilden, immer alles gleichzeitig vollkommen erfüllen zu können. Aber wir können uns immer wieder fragen: Was ist jetzt das Richtige? Was kann ich tun, damit andere ein wenig mehr Freude erleben? Vielleicht ganz konkret: jemanden zum Lachen bringen, Freude teilen, Hoffnung weitergeben.

Wir stehen im Advent inzwischen im zweiten Abschnitt. Zunächst ging es um die Endzeit, um die großen Perspektiven. Jetzt richtet sich unser Blick auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu.

Wenn man mit Kindern spricht, merkt man, wie sehr sie sich auf Weihnachten freuen. Natürlich geht es um Geschenke. Aber nicht nur. Kinder spüren auch Leid, und sie spüren, was im Leben wirklich schön ist. Wenn sie das können, dann können wir das auch.

Immer wieder neu dürfen wir fragen: Was bereichert mein Leben? Was hilft mir weiter? Wie richte ich mich aus auf Christus, der an Weihnachten geboren wurde? Welche Bedeutung hat er für mein Leben?

Und dann kann jeder und jede von uns ganz persönlich eine Antwort geben auf die Frage:

Was soll ich also tun?

Amen.

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