In meiner Weihnachtspredigt geht es um die Erfahrungen von Ebenezer Scrooge im berühmten Buch „A Christmas Caroll“ von Charles Dickens. Eine Erkenntnis lautet: Der Heilige Geist, der Geist Gottes bringt Scrooge dazu, sich zu öffnen für so viel Schönes und Gutes, das er mit seinem Geld und auch seiner Kreativität tun kann. Und so verändert sich für ihn das Weihnachtsfest. Für uns auch?
Frohe Weihnachten aus Seoul!
Predigt an Weihnachten 2023: Charles Dickens und Weihnachten
Liebe Schwestern und Brüder,
“A Christmas Carol” – die berühmte Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens erzählt die
faszinierende Geschichte von Ebenezer Scrooge, einem geizigen und kaltherzigen
Geschäftsmann im viktorianischen London. Scrooge lebt ein zurückgezogenes Leben,
verachtet jegliche Form von Freude und Mitgefühl, und insbesondere Weihnachten betrachtet
er als unnötige Unterbrechung seines geschäftigen Alltags. Sein Reichtum entspringt seinem
unerbittlichen Streben nach Profit, selbst auf Kosten der Vernachlässigung
zwischenmenschlicher Beziehungen.
Dieses Buch habe ich schon ein dutzend Mal gelesen.
1843 wurde es geschrieben, also vor nun 180 Jahren. Die Erzählung beginnt am Abend vor
Weihnachten, als Scrooge von seinem verstorbenen Geschäftspartner Jacob Marley
heimgesucht wird. Marley, der in der Geisterwelt gefangen ist, klagt über sein eigenes
egoistisches Leben und prophezeit Scrooge ein ähnliches Schicksal, wenn er sich nicht ändert.
Um dies zu verhindern, kündigt Marley die Ankunft von drei Geistern an.
Der erste Geist, der Geist der vergangenen Weihnacht, nimmt Scrooge mit auf eine Reise in
seine eigene Vergangenheit. Durch lebendige Erinnerungen an seine Kindheit, seine verlorene
Liebe und den schleichenden Verlust seiner Menschlichkeit wird Scrooge mit den Ursprüngen
seines Zynismus konfrontiert. Diese Rückblenden wecken in ihm längst verschüttete
Emotionen und bereiten den Boden für eine tiefgreifende Wandlung.
Der zweite Geist, der Geist der gegenwärtigen Weihnacht, enthüllt die aktuelle Realität um
Scrooge herum. In einem armen Stadtviertel erlebt er die Freuden und Nöte von Familien,
darunter die seines eigenen, unterbezahlten Angestellten Bob. Besonders bewegend ist die
Situation von Bobs krankem Sohn Tiny Tim, der aufgrund seiner Krankheit einen düsteren
Ausblick auf die Zukunft hat. Die Begegnung mit diesen Szenen berührt Scrooge tief und
offenbart ihm die Konsequenzen seines gleichgültigen Verhaltens anderen gegenüber.
Der Höhepunkt der Geschichte wird erreicht mit dem dritten Geist, dem Geist der zukünftigen
Weihnacht. Dieser schweigsame Schatten zeigt Scrooge Szenen seines eigenen Ablebens und
die gleichgültige Reaktion der Menschen darauf. Die Einsicht, dass sein Tod von
Gleichgültigkeit begleitet wird und niemand um ihn trauert, erschüttert Scrooge zutiefst.
Dieser Moment der Selbstkonfrontation wird zum Katalysator für eine radikale Veränderung
in seinem Wesen.
Danach erwacht Scrooge am Morgen des Weihnachtstages mit einem erneuerten Geist. Er
weiß nun, dass er die Möglichkeit hat, sein Schicksal zu ändern – und er tut es.
Er tut es: Er besinnt sich darauf, dass Weihnachten eine besondere Bedeutung hat.
Er tut es: Er wird barmherzig und großzügig und mildtätig.
Er tut es: Er lässt sich vom Geist der Weihnacht inspirieren.
Im christlichen Sinn können wir sagen: Der Heilige Geist, der Geist Gottes bringt ihn dazu,
sich zu öffnen für so viel Schönes und Gutes, das er mit seinem Geld und auch seiner
Kreativität tun kann.
Die Lebensumstände waren damals katastrophal, die Armut war riesengroß. Das lässt sich
ganz gut auf unsere Zeit übertragen: Denn wenn wir hier in Korea über unseren Tellerrand
schauen, dann sehen wir sehr viel Not. Schauen wir in Anna’s House, wo P. Vincenzo seit 30
Jahren Menschen in großer Not hilft. Schauen wir auf das Werk von Sr. Caecilia, die hier in
der Catholic International Parish für das Pfarrbüro zuständig ist und sich gerade in diesen
Tagen um Prostituierte sowie um misshandelte Kinder in Seoul kümmert.
Vieles Weitere ist zu sehen: Jugendliche, die wegen Mobbing oder Leistungsdruck ihrem
Leben ein Ende setzen, Grundschullehrerinnen, denen es genau so schlecht geht. Oder
Rentner, die auch mit Hilfe von Taxifahren nicht über die Runde kommen.
Es ist Weihnachten. Und wo auch immer wir dieses Fest feiern, gilt es zu entdecken, welche
kleinen oder auch großen Schritte wir tun können.
Tun wir das, in dem wir noch mal auf die Umsetzung der Weihnachtsgeschichte durch
Charles Dickens schauen:
Der erste Geist ist der Geist der vergangenen Weihnacht. Unser Blick in die Vergangenheit ist
oft geprägt von unguten Erfahrungen. Und tatsächlich haben wir ja auch schon viel Negatives
erlebt.
Ich ermuntere heute dazu, sich bewusst zu machen, dass wir manchmal die Möglichkeit
haben, das Vergangene auch ruhen zu lassen. Es gehört in gewisser Weise zu unserem
Lebenslauf dazu, muss aber nicht permanent betont werden.
Der zweite Geist ist der Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Wir werden aufgerufen,
nüchtern die Realität zu sehen, die uns umgibt. Zu dieser Realität gehört aber auch, dass wir
an den Erlöser Jesus Christus glauben und aus diesem Glauben Kraft und Mut schöpfen
können – gerade heute.
Der dritte Geist ist der der künftigen Weihnacht. Ein Personalchef fragt beim Jahresgespräch
vielleicht: Wo sehen Sie sich in 5 Jahren? Ich möchte als Christ ganz persönlich antworten:
An Weihnachten 2028 möchte ich zurückblicken können auf heute und mir bewusst machen,
dass ich viele der heutigen Erfahrungen in meinem Leben umsetzen konnte, und zwar hin zum
Guten.
Ich wünsche Ihnen und euch frohe und gesegnete Weihnachten. Im Rückblick, im Ausblick
und ganz besonders für jetzt und hier und heute.
Amen.
Diakon Edgar
