Predigt am 12. November 2023 zu Mt 25,1-13
Liebe Schwestern und Brüder,
das heutige Gleichnis hat bei mir erstmal Stress ausgelöst. Ich stellte mir vor,
dass ich zu denen gehöre, die nicht aufgepasst oder schlicht vergessen haben,
das Öl für die Lampen zu kaufen. Oder übersetzt in unsere Zeit: Der nicht
ausreichend geplant hat, und dann kommt Jesus wieder und er kennt mich
nicht.
Dann hab ich mal tief durchgeatmet und gedacht: Das ist ein Gleichnis. Worum
geht es hier eigentlich?
Immer wenn wir uns wundern über ein Gleichnis Jesu, dann ist es hilfreich, den
Text ganz genau anzuschauen und zu überlegen: Wie kann Jesus so radikal sein
und Menschen ausschließen, wenn er doch sonst immer von Barmherzigkeit
redet? Und ist er nicht für uns am Kreuz gestorben und hat uns alle erlöst? Und
dann hängt es von etwas Lampenöl ab, ob ich ins Himmelreich komme?
Es muss da noch eine andere Ebene geben. Und diese finden wir, wenn wir den
Schluss anschauen. Wir lesen dort die Worte Jesu: „Seid also wachsam! Denn
ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“
Von diesen Worten müssen wir ausgehen. Dann ergeben sich verschiedene
Gedanken dazu.
1. Wachsam heißt: Akzeptieren, dass es am Ende der Zeit ein Gericht
geben wird.
Es geht im heutigen Evangelium eindeutig um das Gericht. Jesus hat das
Gericht am Ende aller Tage, wenn er wiederkommt, mehrfach
angekündigt. Gericht heißt aber nicht, dass wir dann alle fertig gemacht
werden. Am Ende, beim Gericht, wird er uns fragen, was wir aus dem
gemacht haben, was uns geschenkt worden ist – was wir also aus
unserem Leben gemacht haben. Er wird fragen, wie wir unsere Talente
genutzt haben.
Jesus will aber nicht Gericht halten, um uns den Weg in den Himmel zu
versperren. Im Gegenteil: Wenn wir die deutsche Wortfamilie richten
anschauen, dann finden wir auch das verwandte Wort aufrichten. Ich
verstehe das, was am Ende aller Zeiten geschieht, wenn Jesus wieder
kommt, als Aufrichtung. Aufgerichtet zu werden kann weh tun. Zum
Beispiel, weil ich dann genau hinschauen muss, wie mein Leben gewesen
ist und wie ich meine Talente genutzt habe. Wenn ich aber aufgerichtet
vor Jesus stehe, wenn ich aufrecht vor ihm stehe, dann bin ich gerichtet.
Daher soll ich wachsam sein.
2. Gedanke: Wachsam sein heißt wachsam leben.
Wachsam sein heißt aber gerade nicht, in ständigem Stress zu leben, dass
ich irgendetwas falsch machen könnte und deswegen am Schluss nicht in
den Himmel komme.
Wachsam sein heißt wachsam zu leben heißt: Und das können wir gut
verstehen als hellhörig zu werden und auf diesen kommenden Jesus hin
zu leben. Wir sollen unser Leben in seinen Dienst zu stellen.
3. Gedanke: Wachsam sein heißt: sich vom Evangelium begeistern zu
lassen.
Damit wir das können, unser Leben in seinem Sinne zu gestalten, ist es
gut, auf das Evangelium zu hören. „Evangelium“ heißt wörtlich übersetzt:
frohe Botschaft. Froh-machende Botschaft. Frohe Botschaft des Lebens.
Frohe Botschaft für mich und für meine Familie. Evangelium heißt auch:
glücklich machendes Wort. Denn es ist das Wort von Jesus selbst, der uns
liebt, so unendlich liebt, dass er gerade möchte, dass wir alle zu ihm
kommen.
Das Gleichnis von den Jungfrauen ist weit weg von jeglicher Angstmacherei. Es
führt uns direkt zur Kernbotschaft. Und das ist die Botschaft vom Leben jetzt
und hier auf der Erde und erst recht vom Leben nach unserem Tod.
Lassen wir jegliche Angst hinter uns, wir könnten etwas falsch machen. Statt
dessen sollten wir überlegen, welche Möglichkeiten und Talente wir haben –
und daraus dann das Beste machen. Das ist dann auch ganz im Sinne des
Evangeliums. Dann sind wir und dann leben wir wachsam.
Amen.
