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Sehnsucht nach Frieden

Liebe Schwestern und Brüder,
es ist Krieg. In Palästina und Israel. Schon wieder. Oder immer noch. Ein Krieg
mehr. Oder ist es Terrorismus und die Gegenreaktion darauf? Wie nennen wir
das?
Die Politiker weltweit haben klare Worte, je nachdem aus welchem Lager sie
kommen. Solidarität mit Israel, Verbundenheit mit Palästina, Verurteilung hier,
Verurteilung dort.
Es gibt für mich keinen Zweifel, dass sich Israel schützen muss und die vielen
Raketen der Hamas die Lage im Nahen Osten auf fürchterliche, unendlich
tödliche Weise verändert haben. Die Situation ist auf eine Weise eskaliert, mit
der offensichtlich niemand weltweit gerechnet hat.
Wir alle, die wir uns der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Südkorea
verbunden fühlen, haben keine Macht, nach Israel und Palästina zu fahren, um
dort einzugreifen und alle Waffen schweigen zu lassen.
Wir sind aber Christen. Und als Christ und als Diakon finde ich, dass wir alle, die
wir hier sind, ob vor Ort in der Kirche oder online zugeschaltet, eine besondere
Pflicht haben. Der Apostel Paulus sagt uns: „Betet ohne Unterlass“ (1 Thess
5,17).
Beten heißt: Sich Gott anvertrauen. Und zwar dem Gott, der für kriegerische
Handlungen immer wieder missbraucht wird, der aber der Gott der Liebe ist
und auch der Gott des Friedens.
Beten heißt aber auch: Partei ergreifen. Partei nämlich ergreifen für alle
leidenden Menschen, ganz egal auf welcher Seite des Krieges sie stehen.
Partei ergreifen für das Reich Gottes, das ein Reich des Friedens ist. Gott hat
uns durch Jesus Christus klargemacht, dass dieses Reich schon in unserer Welt
beginnen soll und begonnen hat.
Kein Land, kein Politiker, überhaupt kein Mensch darf sich auf Gott berufen, um
einen Krieg zu rechtfertigen. Die Logik des Krieges muss endlich durchbrochen
werden. Wir müssen anfangen, anders zu denken, anders zu fühlen, anders zu
handeln. Das bedeutet, das genaue Gegenteil von dem zu tun, was gerade
passiert, nämlich immer weiter zu eskalieren.
Gerade in der höchsten Stufe der Aggression, dem Krieg mit Waffen und
Raketen, brauchen wir Menschen, die sich mit Gottes Hilfe neu ausrichten auf
den Frieden. Warum ist es angeblich immer zu spät, Friedensgespräche zu
führen? Und as gilt für alle Seiten!
Wie lernt die Menschheit endlich, jeglichen Krieg zu beenden? Indem sie
anfängt, die Friedensbotschaft der jeweiligen Religion zu entdecken. Denn die
gibt es im Koran in mehr als 80 Versen. Und auch die jüdische Thora kennt
diesen Begriff sehr gut. Shalom bedeutet unter anderem Frieden, Wohlergehen,
Heil, Ruhe, Glück
Selbst Menschen, die ihr Leben nicht auf religiöser Basis gestalten, sondern sich
als Atheisten bezeichnen, finden im Humanismus ethische Grundlagen des
Friedens, der nicht einfach als Abwesenheit von Krieg zu verstehen ist, sondern
aus Toleranz und Respekt und Harmonie entsteht.
Wir haben die Möglichkeiten und Mittel zum Frieden. Egal, welcher Religion
oder Weltanschauung wir angehören.
Als Menschen, die Jesus Christus nachfolgen, hören wir in jeder Heiligen Messe:
„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“
Setzen wir alle Kraft ein, um Frieden zu beten, und nutzen wir alle unsere
Talente und Gaben, um auf diesen Frieden hinzuarbeiten.
Amen.

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