374 km von Seoul entfernt, an der Südküste, liegt die Insel Namhae, auf der ein besonderer Ort zu finden ist:
Das Deutsche Dorf 남해독일마을.
남해 Namhae 독일 Togil = Deutsch 마을 Ma-eul = Dorf

Vor 50-60 Jahren gingen Hunderte, ja Tausende von Koreanerinnen und Koreanern nach Deutschland und arbeiteten dort als Krankenschwestern und im Bergbau. Als sie auf das Rentenalter zugingen, bot die Regierung von Namhae ihnen ab 2003 zu günstigen Konditionen Land an, auf dem in deutscher Bauweise 42 Häuser entstanden – das Deutsche Dorf.
Die allermeisten Baumaterialien und die Art des Hausbaus wurden aus Deutschland importiert.
Wir waren dort hingefahren, weil das Ehepaar Youngsook und Armin Theis dieses Jahr 50 Jahre verheiratet sind
Youngsook und Armin haben sich in Deutschland kennen gelernt;
sie hat Jahrzehnte als Krankenschwester gearbeitet und er,
zunächst gelernter Metzger, baute sich ein eigenes Transportunternehmen auf. Das Beitragsbild zeigt das Schild an ihrem Haus – die Häuser dort sind nach den Herkunfts- oder Wohnstädten in Deutschland benannt. Und Armin ist ein echter Meenzer Bub.
Die Versprechen der koreanischen Abgesandten damals in Deutschland klangen gut: Es sollte auf alle Wünsche eingegangen werden. Die beiden wünschten sich, eine Metzgerei und eine Bäckerei aufzubauen sowie eine Frühstücksstube.
Probleme machen die vielen Touristen, die natürlich dennoch zunächst willkommen sind – bei Familie Theis gibt es eine kleine Ferienwohnung, die fast immer ausgebucht ist, und die mit deutschem Frühstück angeboten wird. Youngsook versteht sich als Botschafterin der deutschen (Ess-)Kultur und deutschen Tugenden wie Reinlichkeit und Pünktlichkeit.
Da sich die Touristen sich aber oft nicht an notwendige Regeln halten und zum Beispiel wild parken, gibt es immer wieder Ärger. Leider hat der Landrat die Polizei angewiesen, nicht einzugreifen, weil die Touristen nicht verschreckt werden sollen.
Das Deutsche Dorf wird bewohnt von Deutschen und Koreanern gleichermaßen. Wer vier Jahrzehnte in Deutschland gearbeitet und gelebt hat, nimmt so manche deutsche Sichtweise auf. Andere haben versucht, ganz schnell wieder koreanisch zu werden nach ihrer Rückkehr. Wie auch immer: Alle verbindet, dass sich die koreanische Welt in ihrer Abwesenheit radikal verändert hat.
Die Bewohner vom Togil Maeul sind geerdet. Es gibt hier einen eigenen Friedhof,
sondern auch die Grabsteine schon da sind, auf denen nur noch die Todestage fehlen.
Das Dorf hat durchaus eine eigene Dynamik. Jede kennt jeden und jeder kennt jede, und man hält dort zusammen. Die gemeinsame Geschichte schweisst zusammen. Und die verschiedensten Talente werden für die Gemeinschaft eingesetzt: So produziert die Familie Theis in wahrlich professionell
Es gibt noch vieles zu entdecken. Wir werden wiederkommen.