Als Erich Kästner sein Buch “Emil und die drei Zwillinge” veröffentlichte, gab er dem Buch zwei Vorworte: Eines für die Laien und eines für die Fachleute. Er tat das, weil es sich um den Nachfolgeband von “Emil und die Detektive” handelte und er die Kinder, die den ersten Band schon kannten, nicht langweilen wollte, aber den anderen Kindern die Möglichkeit geben wollte, zu verstehen, was in der ersten Geschichte passiert war.
Ich mach das jetzt mal ähnlich: denn dieser kleine Exkurs bezieht sich auf eine Episode im Frühsommer 2018, und zwar in Dießen am Ammersee, während einer Fortbildungsveranstaltung.
Vorwort für die Laien
(das sind alle, die über die aktuellen Entwicklungen in Bayern in meinem Fachbereich Notfallseelsorge nicht Bescheid wissen können:)
Es gibt in Deutschland einen Dachbegriff, zu dem auch die Notfallseelsorge gehört: Das ist die Psychosoziale Notfallversorgung, abgekürzt PSNV. Dieser Begriff ist noch recht neu und muss mit Inhalten und Strukturen gefüttert werden. Zur Zeit warten wir auf einen Brief beziehungsweise ein offizielles Schreiben aus dem bayerischen Innenministerium, mit dem die PSNV-Führungsstrukturen bei sehr großen Einsätzen (Katastrophen) geklärt werden sollen. Dazu gehört auch der Leiter PSNV (L-PSNV), der die Gesamtverantwortung über alle Aktivitäten und eingesetzten Personen, z.B. der Notfallseelsorge, während des gesamten Einsatzes trägt.
Man kann sich vorstellen, dass dies sehr breit diskutiert wird und auch werden muss. Eine Frage dabei ist, wer dann dazu bestimmt wird und welche konkreten Aufgaben dann dem L-PSNV übertragen werden.
Vorwort für die Fachleute
(also alle anderen:)
Es handelte sich um die Fortbildung “Fit für K(atastropheneinsätze)”, die wir in diesem Jahr bereits zum fünften Mal durchgeführt haben. Wir hatten am Vormittag eifrig über die Bedeutung des L-PSNV diskutiert und dies in Verbindung gesetzt zur Frage, wie bei dem L-PSNV unbekannten Einsatzorten zu verfahren sei.
Und ihr wisst ja, dass der L-PSNV dem LNA unterstellt ist. Und die dem Leiter zugehörige Farbe kennt Ihr auch.
Nun für alle:
Wir saßen fröhlich beim Mittagessen zusammen und unterhielten uns über meine bevorstehende Reise nach Brasilien. Ich tat das mit Bernd F., einem Leitenden Notarzt (LNA), unserem Referenten. Er brachte dann meine Reise in Beziehung zu unserem Fortbildungsthema, als wir nach der Mittagspause wieder im Seminarraum zusammen gekommen waren.
Humorvoll, wie er ist, sagte er: “Der Edgar übernimmt im August den L-PSNV an der Copacabana.”
Das war ein klarer Einsatzbefehl, den ich selbstverständlich ausgeführt habe. Leider habe ich bei meiner Ankunft an der Copacabana feststellen müssen, dass es hier weder eine adäquate Ausrüstung, noch überhaupt eine Katastrophenlage gibt. Da wir aber gelernt haben, zu improvisieren, habe ich zunächst ein Rückenschild von meiner spontanen Führungsassistentin Christine improvisieren lassen, 