Predigt an Palmsonntag 2008
Kennen Sie die Milka?
Nein, ich meine jetzt nicht die bekannte Schokolade. Die kennt wahrscheinlich jeder von uns.
Ich meine: Eine Frau namens Milka. Sie wundern sich? Sie lächeln? Eine Frau namens Milka?
Sie fragen sich, wer das ist? Nun, Sie finden diese Frau im Alten Testament, im Buch Genesis. Sie wird ganz kurz im 22. Kapitel des Buches Genesis erwähnt; weil sie die Schwägerin des Abraham ist.
Diese Frau Milka ist absolut unbekannt. Sie wird eben nur kurz erwähnt, weil sie zur Verwandtschaft des Abrahams gehört. Ansonsten wissen wir kaum etwas über sie, außer dass sie die Urgroßmutter von Jakob und Esau ist.
Vielleicht sollte ich eine andere Frage stellen:
Kennen Sie den Jesus? Ich meine den, der damals nach Jerusalem eingezogen ist. Kennen Sie den? Was ist dieser Jesus für Sie?
Jesus – wer ist das?
Er ist offensichtlich bekannter als die Milka. Das ist auch sinnvoll, nachdem er die Mitte unseres Glaubens ist. Und so wissen wir viel von ihm, was er getan und gesagt hat.
Wissen wir damit, wer Jesus ist? Welche Antwort geben Sie auf die Frage: WER IST DAS?
Diese Frage wurde damals von den Menschen in Jerusalem gestellt. Und sie bekamen zur Antwort: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.
Was würden Sie sagen, wer dieser Jesus ist? Ist es Jesus, der Heiler, der Menschen gesund gemacht hat? Ist es Jesus, der Erzähler, der über die Gleichnisse den Menschen von Gott erzählt hat? Ist es Jesus, der zornige, der das Schwert und nicht den Frieden bringen wollte?
Ist es Jesus, der Friedfertige, der uns den Frieden Gottes bringen wollte? Ist es Jesus, der leidende, der sich für uns ans Kreuz hat schlagen lassen?Ist es Jesus, der auferstandene, der einst wiederkommen wird in Herrlichkeit? Ist es Jesus, der Gelehrte, der die Theologen damals reihenweise in die Schranken verwiesen hat?
Ist es Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat? Ist es Jesus der Herrschende? Ist es Jesus der Dienende?
Wer ist das also?
Das alles – obwohl es sich zum Teil widerspricht?
Oder ist er für jeden von uns einfach anders, weil jeder von uns auch ganz eigene Antworten auf die Fragen unseres Glaubens braucht?
Oder – geht das überhaupt, dass wir uns einen Aspekt dieses Jesus heraussuchen und die anderen unter den Tisch fallen lassen? Können wir uns diesen Jesus selber zurecht zimmern, das abschleifen, was uns nicht passt, und das andere besonders betonen?
Es ist sicher zunächst einmal ganz menschlich, wenn wir uns auf die Aspekte im Leben Jesu konzentrieren, die uns ganz konkret bei unseren Fragen und Zweifeln weiterhelfen. Aber auch das für uns Unbequeme seines Lebens, seiner Worte und seiner Handlungen gehört zu ihm, gehört zu seiner Botschaft, gehört zum Evangelium.
Das ist oft nicht einfach, aber es gehört auch zu unserem Glauben, dass wir uns an diesen unbequemen Seiten reiben, uns immer wieder neu damit auseinander setzen.
Die Leute damals in Jerusalem haben ihm zugejubelt, haben ihre Kleider auf den Boden gelegt und Hosanna gerufen. Sie haben ihn verehrt wie einen absoluten Superstar. Es hat ihnen gut getan, dass sie ihn hatten. In diesem Moment kamen sie gut klar mit ihm.
Und ein paar Tage später, als er vor Gericht stand, als er sich nicht wehrte gegen die Willkür, als er seinen Jüngern verbot, ihn zu verteidigen, als er den Leidensweg ging und dann am Kreuz starb, da hatten sich fast alle von ihm abgewandt. Das passte nicht in ihr Bild von diesem Superstar, so wollten sie ihn nicht sehen, damit wollten sie sich nicht auseinandersetzen.
Und dennoch gehört auch das, gerade das zu ihm. Auch wenn es unpassend erscheint.
Wenn unsere Worte und Gedanken nicht ausreichen, um die vielen unterschiedlichen Aspekte im Leben Jesu zu akzeptieren, dann können wir aber immer noch in dem Buch nachschlagen, das uns immer wieder auf unserem Weg hilft.
Der Apostel Paulus findet nämlich sehr klare Worte, wenn er über diesen Jesus spricht. Wir haben das vorhin in der Lesung gehört. Und er kann uns dabei helfen, Formulierungen zu finden, die uns bei unserem Christusbild weiterhelfen, die uns helfen, die Antwort zu finden auf die Frage: Wer ist das?
Erinnern Sie sich?
„Christus Jesus war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
“Jesus Christus ist der Herr”
– zur Ehre Gottes, des Vaters.“
Das sollte uns zu denken geben.
Wenn wir Milka nicht kennen, ist das erklärbar. Aber Jesus – den sollten wir kennen.
Amen.
